Handwerkernachwuchs will Jugendtempel im Schweriner Schlossgarten wieder aufbauen

Der Jugendtempel im Schweriner Schlossgarten soll noch in diesem Jahr wieder aufgebaut werden. Der Wiederaufbau ist ein gemeinsames Projekt des Landes Mecklenburg-Vorpommern, der Kreishandwerkerschaft Schwerin und des Vereins der Freunde des Schweriner Schlosses e.V.
Baustaatssekretär Sebastian Schröder sagte: "Der Wiederaufbau des Jugendtempels ist eine tolle Sache für die Gäste der Stadt Schwerin und für die jungen Handwerker. Besondere Anerkennung verdient das ehrenamtliche Engagement der Kreishandwerkerschaft und des Schlossvereins. Wir unterstützen dieses Projekt sehr gern."
Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow betrachtet die Initiative auch als Geschenk engagierter Bürgerinnen und Bürger zum 850. Stadtjubiläum Schwerins. "Eine Attraktion mehr im historischen Schlossgarten, das passt doch wunderbar in unser Konzept des Schweriner Gartensommers, der mit vielfältigen Veranstaltungen auf dem vormaligen BUGA-Gelände Besucherinnen und Besucher aus nah und fern nach Schwerin locken soll."
Auf dem natürlichen Hügel im englischen Garten südlich vom heutigen Schleifmühlenweg war nach Plänen des Hofbaumeisters Johann Georg Barca aus dem Jahre 1821 ein klassizistischer Rundtempel mit acht Säulen entstanden. Vermutlich nach 1865 war er baufällig und wurde durch einen Neubau ersetzt. Dieser zweite Tempel wurde 1964 abgerissen. Er soll nun nach historischen Unterlagen neu errichtet werden. So wird der Rundtempel mit einem Durchmesser und einer Höhe von neun Metern mit einer anthrazitfarbigen, schiefergedeckten Kuppel bedacht. Die Farbgestaltung des Tempels mit acht ringförmig angeordneten, etwa drei Meter hohen Holzsäulen wird sich am Schlossgartenpavillon orientieren.
Die Kreishandwerkerschaft will ab dem Frühjahr den Jugendtempel nach dem Barca-Entwurf wieder errichten. Der Bau ist ein Beitrag zum 850. Jubiläum der Stadt Schwerin: Die Besucherinnen und Besucher können während der Bauarbeiten im Sommer historische Handwerksarbeiten besichtigen. Der Tempel entsteht unter dem Motto "Jugend baut für die Jugend" unter Mitwirkung von Auszubildenden verschiedener Bauberufe. Erforderliche Mittel und Leistungen werden über Spenden eingeworben. Die Rekonstruktion wird voraussichtlich sechs Monate dauern und soll im Spätherbst 2010 abgeschlossen werden. Die Kreishandwerkerschaft organisiert und finanziert die Bauabläufe, den Einsatz der Gewerke, die Beschaffung der Baumaterialen wie Stahlbeton und Sandstein für das Fundament und die Bodenplatte, Holz und Stahl für die acht Säulen und die Dachkonstruktion bis hin zur Schiefereindeckung, gegebenenfalls Spezialmaschinen etc. Die Realisierung erfolgt in Kooperation mit der Bildungseinrichtung ABC Bau GmbH, Ausbildungszentrum der Bauwirtschaft Mecklenburg-Vorpommern.
Das Land als Eigentümer des Schweriner Schlossgartens, stellt den Baugrund zur Verfügung, unternimmt die notwendigen Recherchen zu den Vorgängerbauten, erstellt die Denkmalpflegerische Zielstellung und stimmt diese mit dem Landesamt für Kultur und Denkmalpflege ab. Ferner erstellt das Land die Entwurfs- und Ausführungsplanung sowie die Statik. Zudem übernimmt das Land die Überwachung der Bauarbeiten sowie die dauerhafte Pflege und Unterhaltung des Bauwerkes.
Der Verein der Freunde des Schweriner Schlosses e.V. unterstützt das Vorhaben durch Einwerben von Spenden. Gespendet werden kann auf folgendes Konto: Verein der Freunde des Schweriner Schlosses e.V. bei der Sparkasse Mecklenburg-Schwerin, Kontonummer: 310035583, Bankleitzahl: 14052000, Verwendungszweck: Spende "Jugendtempel".

Hintergrund zum Jugendtempel

Der Tempelbau, ein sogenannter Monopteros (griechische Fachbezeichnung für Rundtempel), hatte für die Parklandschaft des Schlossgartens im frühen 19. Jahrhundert vor allem im Zusammenwirken mit dem damals bereits landschaftlich angelegten Grüngarten und dem Schlossgartenpavillon eine besondere architektonische und gartenkünstlerische Bedeutung. Er bildete den Endpunkt einer wichtigen, wechselseitig funktionierenden und nordsüdlich ausgerichteten Sichtachse zum Grünhausgarten. Der Jugendtempel entsprach dabei als "Höhepunkt" und "Zierde" der Gartenlandschaft dem gartenkünstlerischen Zeitgeschmack. Der eigentliche Sinn dieses Tempels war nicht von inhaltlich greifbarer Natur, sondern kann viel eher als verspielte Träumerei beschrieben werden: Vom sogenannten Tempelberg aus sind außergewöhnliche Blickbeziehungen zum Greenhouse-Garten und zum Faulen See erlebbar. Der kleine Gartentempel nach Plänen des Hofbaumeisters Johann Georg Barca entstand in Analogie zum Fachwerkbau des Schlossgartenpavillons, einem ebenfalls aus Holz errichteten Bauwerk.
Das Tragwerk besteht aus insgesamt acht ringförmig angeordneten, etwa drei Meter hohen Säulen sowie einem darüber befindlichem Gebälk (Architrav) in toskanischer Säulenordnung. Die Säulen ruhen auf einer Plattform, aus Postaer Sandstein, der umlaufend über drei massive Sandsteinstufen betreten werden kann.
Das Kuppeldach hat außen eine haubenförmige Gestalt mit leicht geschweiftem Umriss. Die Dachfläche ist im oberen Teil konvex und im untersten Teil leicht konkav geformt. Die innere Kuppel der Bohlenbinderkonstruktion ist als Halbkugel in Rabitzputz ausgebildet und spiegelt dabei die äußere Dachform nicht wider. Dieser Kuppelform wird eine besondere Akustik zugeschrieben. Dies wurde aus vergangener Zeit berichtet, als im Tempel kleine Gartenkonzerte gegeben wurden.
Im Gegensatz zur ursprünglich reinen Holzkonstruktion erhalten die acht Holzsäulen stabile Kerne in Form von Stahlprofilen, die in den umlaufenden Ringbalken eingespannt werden. Die Fundamentplatte unter dem Sandsteinboden und das umlaufende Streifenfundament sollen in Stahlbeton errichtet werden. Die Holzsäulen in toskanischer Ordnung entsprechen in ihrer Form und Proportion genau denen des kurz zuvor im Jahre 1816 errichteten Schlossgartenpavillons. Auch die geplante Farbgebung des Monopteros ist an die Farbigkeit des Schlossgartenpavillons angelehnt, für die historische Farbbefunde vorliegen.
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01.02.2010