Schloss Wiligrad

Blick auf das Schloss Wiligrad, Foto: Rainer Cordes
Foto: Rainer Cordes
Das malerisch inmitten eines Waldgebietes am Steilufer des Schweriner Sees 15 Kilometer nördlich von Schwerin gelegene Schloss Wiligrad ist mit seinen zahlreichen Nebengebäuden und dem dazugehörigen Park ein Kleinod der Neorenaissance. Es wurde innerhalb von zwei Jahren 1896-1898 von dem seinerzeit sehr bekannten Hannoveraner Architekten Albrecht Haupt für den nicht regierenden Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg-Schwerin und seine erste Gemahlin Elisabeth von Sachsen-Weimar als bewusst historisierender Bau errichtet. Es handelt sich um eines der jüngsten Schlösser in Mecklenburg-Vorpommern.
Für das Gebäude hatte der Bauherr eine prägnante Farbgebung gewählt - das weiß verputzte Hauptgebäude, der rote backsteinsichtige Flügel und das schwarze Dach zitieren die Farben des 1871 gegründeten Deutschen Kaiserreiches.
Seinen Namen erhielt das Schloss in Anlehnung an den slawischen Namen für "Große Burg", den ersten Namen der Burg Mecklenburg, die etwas weiter nördlich bei dem heutigen Dorf Mecklenburg liegt.
Schloss Wiligrad, Terrakotta © 2009 Staatliche Schlösser und Gärten Mecklenburg-VorpommernGalerie Die vielfältigen Stilzitate, Spolien, Nachbildungen und der reiche Terrakottaschmuck verweisen auf den vom Bauherrn gewünschten Johann-Albrecht-Stil des 16. Jahrhunderts, wie er sich damals an dem Schloss Schwerin und dem Fürstenhof in Wismar fand. Die Anknüpfung an den Stil der Zeit seines Namensvetters und Ahnen, des Herzogs Johann Albrecht I von Mecklenburg (1525 bis 1576) geschah bewusst. Nach Auffassung der damaligen Zeit handelte es sich um einen der bedeutendsten Fürsten von Mecklenburg, der sich gegen Kaiser Karl V. (1500-1558) für die Einführung der Reformation in Mecklenburg eingesetzt hatte.
Nach dem Tod seines Bruders, des Großherzogs Friedrich Franz III. von Mecklenburg-Schwerin, hatte Johann Albrecht, der umfangreich ausgebildet worden war, im Jahre 1897 die Regierungsgeschäfte für dessen noch nicht volljährigen Sohn, den späteren Großherzog Friedrich Franz IV. von Mecklenburg-Schwerin, übernommen und führte diese bis zu dessen 19. Geburtstag am 9. April 1901 weiter. Johann Albrecht dokumentierte sowohl mit der Formensprache seines Schlosses als auch mit dessen Namensgebung den Anspruch einer Residenz neben der des Schweriner Schlosses.
Besonders imposant sind die zweigeschossige neobarocke Eingangshalle und die in der Formensprache des Rokoko gestaltete Bibliothek als Nachbau der erzbischöflichen Bibliothek in Straßburg. Das Interesse des nicht regierenden Herzogs an fremden Kulturen - er war u. a. seit 1895 Präsident der deutschen Kolonialgesellschaft - widerspiegeln das indianische und das japanische Zimmer sowie die Verwendung afrikanischer Hölzer in der Eingangshalle und ehemals zahlreiche Einrichtungsgegenstände, die er anlässlich seiner zahlreichen Reisen gesammelt hatte.
Schloss Wiligrad, Waldhaus (Bedienstetenhaus) © 2009 Staatliche Schlösser und Gärten Mecklenburg-Vorpommern