Aktuell »Panorama »

Wissenschaftliche Sensation - über 200 Jahre alte Architekturzeichnungen entdeckt

11.10.2011 l Staatliche Schlösser und Gärten Mecklenburg-Vorpommern

Bei wissenschaftlichen Recherchen zum Schloss Ludwigslust im Auftrag der Staatlichen Schlösser und Gärten im BBL M-V entdeckte die Kunsthistorikerin Sigrid Puntigam in der Landesbibliothek Mecklenburg-Vorpommern einen verloren geglaubten "Planschatz".
Planschatz © 2011 Landesbibliothek Mecklenburg-Vorpommerngrößer Seit fast zweihundert Jahren blieb das Konvolut unangetastet. "Das ist eine wissenschaftliche Sensation. Von den Architekturzeichnungen erhoffen wir neue Erkenntnisse zur Baugeschichte des Landes ", so Puntigam. Zu dem Planschatz gehören etwa 350 Architektur- zeichnungen, die sich im Wesentlichen den Bauvorhaben der Herzöge von Mecklenburg-Schwerin im 18. Jahrhundert widmen, darunter bislang unpublizierte Entwurfszeichnungen der Ludwigsluster Schlosskirche.
Außerdem finden sich darin Zeichnungen und Pläne von überregionaler und internationaler Bedeutung, zum Beispiel Handzeichnungen und Skizzen von antiken Bauwerken in Rom, dem Mekka der damaligen architektonischen Welt. Der Planbestand ist als Teil der bisher verloren geglaubten Plankammer und damit als zentrale Quelle des herzoglichen Bauwesens in Mecklenburg zu werten.
Die Sammlung umfasst Arbeiten bedeutender ausländischer und einheimischer Architekten wie der Franzosen Jean Laurent Legeay (um 1710 - nach 1786) und Jean de Bodt (1670 - 1745) oder den in Mecklenburg tätigen Johann Friederich Künnecke (? - 1738) und Johann Joachim Busch (1720 - 1802). Viele der Blätter sind noch nicht identifiziert und warten auf ihre erstmalige wissenschaftliche Bearbeitung.
Die Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten und die Landesbibliothek Mecklenburg-Vorpommern haben sich mit Unterstützung der Ministerien die Aufarbeitung dieses einmaligen Fundes zum Ziel gesetzt. Das Projekt umfasst vier Arbeitsstufen: Aufarbeitung der Blätter, ein wissenschaftliches Symposium, einen Katalog und mündet in einer Ausstellung, in der der Planschatz der Öffentlichkeit präsentiert werden wird. Diese ist für das Jahr 2015 oder 2016 angedacht. Außerdem ist eine dauerhafte Darstellung im Internetportal für Architekturzeichnungen Europeana geplant.
"Schon jetzt ist absehbar, dass dieser Fund die Architekturgeschichte des Landes Mecklenburg-Vorpommern auf eine neue Grundlage stellt. Die mecklenburgische Architektur des 18. Jahrhunderts muss völlig neu bewertet werden, auch mit Blick auf ihre Stellung im Kontext der internationalen Architekturlandschaft. Zudem ist dieser neue, unbekannte Quellenbestand von grundlegender Bedeutung für die derzeitig laufenden Restaurierungsmaßnahmen zahlreicher mecklenburgischer Schlösser", sagte Puntigam abschließend.
11.10.2011
Ihren XING-Kontakten zeigen