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Baustelle für die Zentralen Medizinischen Funktionen auf dem Campus Schillingallee der Universitätsmedizin Rostock © 2018 Betrieb für Bau und Liegenschaften Mecklenburg-Vorpommern

Gesamtausbau des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit auf der Insel Riems

21.07.2017 | Bundesbau
Im Auftrag der Bundesrepublik Deutschland wurde nach 10-jähriger Bauzeit der 340 Mio. Euro teure Komplex zum weltweit modernsten Institut für Tierseuchenforschung weitestgehend fertiggestellt. Verantwortlich für das Bundesbauprojekt war der Geschäftsbereich Neubrandenburg des landeseigenen Betriebs für Bau und Liegenschaften Mecklenburg-Vorpommern (BBL M-V). Die Ausführung erfolgte in drei Baustufen.
Die Insel Riems liegt in der Ostsee im Südwesten des Greifswalder Bodden und ist seit mehr als 100 Jahren ein Ort der Forschung.
Das heutige Institut ist eine selbstständige Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und wurde 1910 als damaliges Virusinstitut im Auftrag des preußischen Kultusministeriums als weltweit erstes Institut zur Erforschung der Maul- und Klauenseuche gegründet. Gründer und Leiter war Friedrich Loeffler.
Zum heutigen Bundesforschungsinstitut gehören elf Institute an fünf Standorten, davon befinden sich heute sechs auf der Insel die folgenden Institute für
  • Epidemiologie,
  • Immunologie,
  • Infektionsmedizin,
  • molekulare Virologie und Zellbiologie,
  • neue und neuartige Tierseuchenerreger,
  • Virusdiagnostik und 
  • eine gemeinschaftliche Einrichtung, die Abteilung für experimentelle Tierhaltung und Biosicherheit.
Fünf weitere Institute befinden sich noch in Braunschweig, Celle, Mariensee und Jena.

1. Baustufe

In der ersten Baustufe wurden 2006 bis 2007 die Südwache, das Futtermittellager und die dazugehörenden Außenanlagen errichtet.

2. Baustufe

Im Dezember 2013 wurde der neue Forschungskomplex, eine der weltweit modernsten Institute für Tierseuchenforschung, übergeben. Der Neubau mit der Labor- und Stalleinheit ist mit der höchsten Biosicherheitsstufe 4 ausgestattet und beherbergt 89 Laboratorien mit ca. 270 Arbeitsplätzen und 163 Stalleinheiten für Großtiere wie unter anderem Pferde, Schweine und Kühe mit den verschiedensten Sicherheitsstufen. Die Labor und Stallgebäude sind in ihrem äußeren Erscheinungsbild als Gesamtvolumen konzipiert, in das eine markante Erschließungsstraße eingeschnitten ist, die als Magistrale Übersicht und Orientierung bietet. Aus dieser Achse werden die Labor- und Stallbereiche aller Sicherheitsstufen erschlossen.
Das lang gestreckte Laborgebäude bildet mit seiner 230 m langen Klinkerfassade eine der längsten Klinkerfassaden Norddeutschlands und nimmt ausgehend von der Zellbank sowie den Laboratorien der Sicherheitsstufen L2/S2 und L3**/S2 auch die Laboratorien der Sicherheitsstufen L3/S3 und L4/S4 auf. Diese Gebäudeteile sind wegen der besonderen Anforderungen an die Biosicherheit als Containment konzipiert. Der Sicherheitsbereich L4/S4 mit Labor-und Großtierräumen ist als "Box-in-the-Box-System" vom Sicherheitsbereich L3/S3 umschlossen.
Das Stallgebäude umfasst Groß- und Kleintierräume der Sicherheitsstufen L2/S2, L3**/S2 sowie (ebenfalls als Containment ausgebildet) Groß-und Kleintierräume der Sicherheitsstufen L3/S3, L3+/S3 und die dazugehörigen Laboratorien der Sicherheitsstufe L3+/S3. Nahezu alle Nutzflächen liegen im Erdgeschoss. Das Nutzgeschoss wird von zwei Voll- sowie Teilgeschossen, welche die Zugänglichkeit der Installationen sowie die Trennung von Nutzung und Technik gewährleisten, umschlossen. Darin sind neben allen Rohrinstallationen, Abwasserbehandlung, Tierkörperbeseitigungsanlagen auch Raumluftfiltertechnik sowie Zu- und Abluftaufbereitungsanlagen untergebracht.

Kunst am Bau - innen und außen

Im Rahmen eines 2013 durchgeführten Wettbewerbes Kunst am Bau wurden zwei der 28 eingereichten Entwürfe realisiert. Für den Außenbereich östlich des Karrees entstand auf fast 400 m² eine Flächen-Skulptur der Berliner Künstlerin Barbara Trautmann mit dem Titel "INSULANER - Kunst und Forschung auf höchstem Niveau". 189 Objekte sind im Gelände so verteilt, dass sie von oben betrachtet, den Blick auf ein Virusmodell im Elektronen-Mikroskop wiedergeben.
Im Innenbereich entschied sich die Jury für die Wandgestaltung des Künstlers Matthias Geitel unter dem Titel "GRENZEN UND EREIGNISSE - Künstlerischer Ausdruck der globalen Arbeit des FLI", die im Konferenz- und Speisesaal des Instituts platziert wurden.

3. Baustufe

Die 3. Baustufe beinhaltete die 2015 fertiggestellte Rekonstruktion des Karrees, den Neubau der Desinfektion, der in 2018 abgeschlossen wird sowie den Neubau der Trinkwasserzisternen inklusive der dazu gehörenden Außenanlagen.
Das Ensemble des Karrees besteht aus dem bereits 1940 errichteten denkmalgeschützten zweigeschossigen Hauptgebäude mit Walmdach und einem U-förmigen, kubischen und zweigeschossigen Neubau mit Flachdach. Hierfür wurden die alten Labor- und Duschgebäude abgebrochen und das Institut-Karree neu geordnet. Das Hauptgebäude wurde unter Berücksichtigung der denkmalpflegerischen Aspekte saniert. Mit dem natursteinverkleideten historischen Fassadenteil wird die Bedeutung als historischen Hauptbau des Institutes erkennbar.
Der Neubau schließt das Karree zu einer Einheit. Er wurde in Platten-Stützen-Konstruktion mit tragenden Außenwänden und nichttragenden Innenwänden aus Mauerwerk und Trockenbau errichtet. Der Südflügel - das Hauptgebäude beinhaltet das zentrale Treppenhaus, die repräsentative Bibliothek und Büros der Institutsleitung. Im zweigeschossigen West- und Nordflügel des Neubaus sind eine Vielzahl von Büroarbeitsplätzen angeordnet. Im zweigeschossigen teilunterkellerten Ostflügel befinden sich im Erdgeschoss der Konferenz- und Speisesaalbereich für maximal 400 Personen, die Küche und zugehörige Räume sowie im Obergeschoss weitere Büroräume und die Sanitärräume für das Küchenpersonal. Im Untergeschoss sind Haustechnikräume, das Freihandmagazin sowie das Zentrale Archiv untergebracht.
Über barrierefreie Verbindungsbrücken gelangt man vom Karree zum Laborgebäude und dem Stallgebäude. Mit den Neubau- und Sanierungsmaßnahmen wurde ein gestalterisch hochwertiger Forschungsstandort entwickelt, der mit seiner wachsenden Bedeutung jedem internationalen Vergleich standhält. Nach seiner Fertigstellung, Testphase und Inbetriebnahme kann das Friedrich-Loeffler-Institut als eines der modernsten und sichersten Forschungslabore auf diesem Forschungsspektrum bezeichnet werden.
Beim Landesbaupreis 2016 erhielt das Karree eine Belobigung in der Kategorie der Bauprojekte mit einem Gesamtbaukosten mehr als 500.000 Euro.

Planungsdaten Gesamtausbau des Bundesforschungsinstituts Friedrich-Loeffler (FLI) Insel Riems

Bauherr Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch den Betrieb für Bau und Liegenschaften Mecklenburg-Vorpommern, Geschäftsbereich Neubrandenburg
Projektleitung BBL M-V Geschäftsbereich Neubrandenburg
Planung Generalplaner Insel Riems - Arbeitsgemeinschaft Ittenbrechbühl AG Bern/Schweiz; Rauh-Damm-Stiller und Partner, Greifswald
Bauausführung Arbeitsgemeinschaft FLI Riems - Ed. Züblin AG, Dir. Nord Hamburg; Heitkamp Ing.- u. Kraftwerksbau, NL Rostock; Hochtief Construction AG, NL Berlin; Axima GmbH, NL Berlin; Caverion GmbH, NL Dresden
Baukosten
Gesamtbaukosten 340 Mio. €
1. Baustufe 6 Mio. €
2. Baustufe 312 Mio. €
3. Baustufe 22 Mio. €
Bauzeiten
Baubeginn 1. Baustufe 06/2006
Bauende 1. Baustufe 07/2007
Baubeginn 2. Baustufe 07/2008
Bauende 2. Baustufe 12/2013
Baubeginn 3. Baustufe 01/2012
Bauende 3. Baustufe 05/2015 bzw. Restleistung in 2018
Bruttogeschossflächen
Wache 266 m²
89 Labore 26.000 m²
163 Ställe 43.000 m²
Hauptgebäude 3.715 m²
Karree 4.980 m²

Lageplan Friedrich-Loeffler-Institut auf der Insel Riems