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Baustelle für die Zentralen Medizinischen Funktionen auf dem Campus Schillingallee der Universitätsmedizin Rostock © 2018 Betrieb für Bau und Liegenschaften Mecklenburg-Vorpommern

Grundinstandsetzung der Innenräume des Ostflügels im Schloss Ludwigslust abgeschlossen

06.02.2018 I ELER im BBL M-V
Die Europäische Union (EU) unterstützt u. a. die Entwicklung strukturschwacher Regionen auf unserem Kontinent. Damit möchte die Gemeinschaft der 28 Mitgliedsländer unterschiedlich stark bzw. schwach entwickelte Gebiete einander angleichen. Einen Teil dieser Investitionen setzt der landeseigene Betrieb für Bau und Liegenschaften (BBL M-V) in Mecklenburg-Vorpommern um.

Hier investiert Europa in die ländlichen Gebiete

Maßnahmen zur Erhaltung, Wiederherstellung und Aufwertung kulturhistorischer Bausubstanz zum Schutz und der Erhaltung des ländlichen Kulturerbes bei Schlössern, Gutsanlagen und Parks
Schloss Ludwigslust - Grundinstandsetzung der Innenräume im Ostflügel

Historie

Unter Herzog Friedrich nahm die Überplanung des einstigen Jagschlosses und des Dorfes Klenow Gestalt an. 1763 wurde die barocke Struktur der Stadt und die Hofkirche als Pendant zum Schloss begonnen, das Schloss wurde 1772 bis 1776 neu gebaut, aus dem Dorf Klenow wurde Ludwigslust.
Bis 1837 war das Schloss Ludwigslust Hauptresidenz der Schweriner Herzöge, dann Nebenresidenz und von 1918 bis 1947 wieder Wohnraum der herzoglichen Familie. Ab 1947 wurde das Schloss vom Rat des Kreises genutzt. Teile des Schlosses waren ab 1986 öffentlich zugängig. Seit 1991 nutzt das Staatliche Museum das Schloss. Mit Gründung des BBL M-V im Jahre 2002 liegt die Verantwortung für die bauliche Entwicklung und Restaurierung in den Händen der landeseigenen Behörde.

Gebäudebeschreibung

Der viergeschossige Bau gliedert sich in Sockelgeschoss, zwei Hauptetagen und das Mezzanin. Er besteht in der Tragstruktur aus Backstein oder Fachwerk, die Fassaden sind mit Elbsandstein verkleidet. Rhythmus und Gliederung der Fassadenelemente unterstützen die einzelnen Geschosse und Räume in deren Bedeutung.
Die E-Form des Grundrisses orientiert sich mit dem langen Schenkel zum Schlossplatz. Die Fassade wird aufgelockert durch einen die Dachtraufe überragenden Mittelrisalit, der durch Pilaster betont wird, die sich jeweils abzeichnenden beiden äußeren Achsen, die die dahinterliegenden Seitenflügel andeuten.
Die beiden Seitenflügel sowie der Mitteltrakt, der die Festräume beherbergt, zeigen zum Park hin.

Leistungsumfang

In der ELER-Förderperiode 2007 bis 2013 wurden der Ostflügel im Erdgeschoss, 1. und 2. Obergeschoss und teilweise der Mittelbau im Erdgeschoss, 1. und 2. Obergeschoss restauriert. Im 3. Obergeschoss des Ostflügels wurden die Räume für die Verwaltung unter Berücksichtigung denkmalpflegerischer Belange saniert und hergerichtet, in einzelnen Befundfenstern sind historische Bezüge sichtbar gemacht worden.
Der Umfang der Baumaßnahme des 1. Realisierungsabschnittes (RA) ist im Einzelnen grob umrissen:
  • die Restaurierung der Räume des 1. und 2. Obergeschoss Ost;
  • die konstruktive Ertüchtigung der Deckenkonstruktion des Mittelteiles im Schloss;
  • die Sanierung Haupttreppenhaus Erdgeschoss bis 2. Obergeschoss;
  • die Fertigstellung von Jagdsaal, Foyer, Kasse, Shop;
  • die Sanierung Wache/Depot;
  • Schaffung funktionstüchtiger Anlagenbereiche der Haustechnik
  • sowie der Einbau der neuen Dienertreppe Ost.

Bei den Maßnahmen handelt es sich Leistungen in einem Denkmal unter laufender Museumsnutzung. Im Verlauf der Baumaßnahme wurden bei der konstruktiven Sanierung der Bereiche des Fußbodens des Goldenen Saales über den Räumen 002, 004 und 005 erhebliche Schäden an der Deckenkonstruktion der weiteren Fußbodenbereiche des Goldenen Saales festgestellt, die nicht zum Umfang des 1. Realisierungsabschnittes gehörten. Sofern diese Bereiche statisch nicht saniert worden wären, hätte eine Sperrung des Goldenen Saales erfolgen müssen. Zur Finanzierung dieser zusätzlichen Leistungen im Goldenen Saal wurden Varianten zur Rückstellung bereits genehmigter Leistungen des 1. Realisierungsabschnittes geprüft. Die Variante mit Rückstellung von Sicherungsarbeiten im Erdgeschoss und 3. Obergeschoss, von Arbeiten zur Papier- und Textilrestaurierung, von Arbeiten an Supraporten und Ofenwänden wurde anerkannt.
Neben den vorbereitenden und baubegleitenden Maßnahmen gehörten folgende Arbeiten zum Leistungsumfang:
  • Be- und Entfeuchtung,
  • Sicherheitsüberwachung,
  • Schutz- und Sicherungsmaßnahmen an Fenstern/Türen/Fußböden/Wänden/ Decken/historischen Bauteilen und Ausstattungen,
  • Befundung während der Bauausführung,
  • Rücksetzung von geborgenen, konservierten Befunden (Textil, Papier) und
  • Bemusterungen/ Variantenuntersuchungen sind insbesondere statische Sicherungsmaßnahmen in den Decken und Wänden,
  • Brandschutzmaßnahmen/-ertüchtigungen von Treppen und Türen sowie
  • Restaurierung von Wänden, Decken sowie Parkettböden.

Erwähnenswert sind hierbei ausdrücklich
  • die statische Sanierung der Deckenkonstruktion über den beiden Säulen im Foyer im Übergang zum Jagdsaal durch den Einbau von Stahlträgern und den Ersatz der historischen Säulen durch Stahlstützen, die mit originalem Stuck eingefasst worden sind,
  • die Restaurierung des sogenannten Geweihleuchters im Jagdsaal und
  • die Deckensanierung des Jagdsaales sowie des Fußbodens im Goldenen Saal.

Hier waren im mittleren und nördlichen Teil des Goldenen Saales starke Schäden an den historischen Deckenbalken, bestehend aus einem oberen Zahnbalken aus Nadelholz und dem unteren aus Eiche, durch Pilzbefall aufgetreten, entdeckt durch das teilweise Aufnehmen des Bodens. Im Auftrag des BBL M-V Geschäftsbereich Schwerin musste von den Restauratoren das Parkett aufgenommen, das umfangreiche Marketerien enthält. Die kleineren Elemente wurden in der Werkstatt gereinigt, die größeren vor Ort. Nach der Restaurierung und mit einer Oberflächenbeschichtung aus Wachs versehen, konnte das Parkett wieder eingebaut werden. Bedingung für den Einbau des Parketts waren der Abbau und die Restaurierung der fest eingebauten Öfen.

Im Folgenden werden beispielhaft an einem Raum die Restaurierungsmaßnahmen vorgestellt:

Raum 104 Audienz Herzog
  • Sanierung Deckenkonstruktion gemäß Holzschutzgutachten und Statik
  • Maurer-, Putz- und Stuck-, Anstricharbeiten
  • Verlegung Abluftleitung im Kamin nach Freilegung Schornsteinzug
  • Aufarbeitung der historischen Türen und Holzbauteile
  • Ausführungen an Elektro-, Informations- und Sicherheitstechnik/BMA
  • Restaurierung Fußböden inkl. der Marketerien
  • Freilegung/Rekonstruktion Täfelung in Ecken (Südost)
  • Restaurierung Fassungen in goldener und weißer Farbe einschließlich des Papiermaschee an Türen, Paneelen und Verkleidungen
  • Restaurierung Deckenrosette
  • Restaurierung Natursteinkamin ohne Rekonstruktion des fehlenden Messingbesatzes
  • Restaurierung Kaminbleche und Kamintüren
  • Restaurierung Spiegel und Spiegelrahmen
  • Restaurierung Supraporten
  • Rekonstruktion der textilen Wandbespannung (Lampas, Seide, creme, sand, rot, Muster Große Blume)
  • Anbringung Bilderleisten (keine Förderung)
  • Montage Beleuchtung Lichtschienen
  • Einbau Heizkörper; Einbau von Bänken in den Nischen (keine Förderung)
  • Verlegung Läufer zum Schutz des Fußbodens
  • Ausrüstung Fenster mit innenliegenden Verschattungselementen
Eigener Abhandlungen bedürfen die denkmalgerechte Restaurierung bzw. Rekonstruktion der Wandverkleidungen, der historisch nachgebildeten Papier- sowie der textilen Wandbespannungen, der Holzvertäfelungen mit den speziellen Fassungen in goldener und weißer Farbe und die Arbeiten am Papiermaschee. Die Forschung zur Befundung und Rekonstruktion wären es ebenfalls Wert in ausreichend großem Umfang beschrieben zu werden.

Planungsdaten Schloss Ludwigslust Ostflügel

Bauherr Land Mecklenburg-Vorpommern, vertreten durch den Betrieb für Bau und Liegenschaften Mecklenburg-Vorpommern, Geschäftsbereich Schwerin
Gesamtkosten 10 Mio. Euro
Anteil ELER-Förderung 7,5 Mio. Euro
Baubeginn 11/2011
Bauende 11/2015
Wiedereröffnung Museum 03/2016
Hauptnutzfläche 1.100 m²
Stand: Dezember 2017