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Baustelle für die Zentralen Medizinischen Funktionen auf dem Campus Schillingallee der Universitätsmedizin Rostock © 2018 Betrieb für Bau und Liegenschaften Mecklenburg-Vorpommern

Grundinstandsetzung Schloss Mirow

08.10.2017 I ELER im BBL M-V
Die Europäische Union (EU) unterstützt u. a. die Entwicklung strukturschwacher Regionen auf unserem Kontinent. Damit möchte die Gemeinschaft der 28 Mitgliedsländer unterschiedlich stark bzw. schwach entwickelte Gebiete einander angleichen. Einen Teil dieser Investitionen setzt der landeseigene Betrieb für Bau und Liegenschaften (BBL M-V) in Mecklenburg-Vorpommern um.

Hier investiert Europa in die ländlichen Gebiete

Maßnahmen zur Erhaltung, Wiederherstellung und Aufwertung kulturhistorischer Bausubstanz zum Schutz und der Erhaltung des ländlichen Kulturerbes bei Schlössern, Gutsanlagen und Parks
Schloss Mirow - Grundinstandsetzung
Für die Umnutzung des ehemaligen Schlosses Mirow zu einem öffentlichen Museum war die Wiederherstellung der historischen Raumfassung des 18. Jahrhunderts maßgebend. Das Bauvorhaben wurde in zwei Bauabschnitte aufgeteilt, wovon der 1. Bauabschnitt im Wesentlichen die Eingangshalle, das Treppenhaus bis in das erste Obergeschoss, mit den darunterliegenden Technikräumen sowie den Großen Festsaal mit den beiden angrenzenden Kabinetten beinhaltet. Alle weiteren Räume zählen zum 2. Bauabschnitt. Der 1. Bauabschnitt wurde aus Landesmitteln finanziert. Während der Umsetzung des Bauprojekts wurde 2010 die Planung ergänzt um die barrierefreie Erschließung der Ausstellungräume sowie die Sanierung von Dach und Fassade. Die ursprüngliche Rekonstruktion des Kuriositätenkabinetts wurde vollständig zurück gestellt.

Historie

Das auf einer malerischen Insel liegende Schloss wurde ab etwa 1709 als Witwensitz für Herzogin Christiane Aemilie Anthonie von Mecklenburg­ Strelitz (1681-1751) errichtet. Baumeister war Joachim Borchmann. Aus der Errichtungsphase ist nur ein Raum in seiner ursprünglichen Gestaltung erhalten: Der hochbarocke Festsaal des italienischen Stuckateurs Giovanni Battista Clerici. Bereits in den ersten Jahrzehnten seiner Existenz litt das Gebäude unter Mängeln und musste überholt werden, wobei seine Größe, Kubatur und Raumdisposition erhalten blieben. Im Jahr 1727 wur­den die Außenmauern und die Innenwände im Erdgeschoss ausgetauscht und in Stein ausgeführt.
Für die weitere Geschichte des Schlosses und seine heute erhaltenen Interieurs war Herzogin Elisabeth Albertine von Mecklenburg-Strelitz (1713-1761) von entscheidender Bedeutung. Diese zweite Mirower Hausherrin begann 1753 mit einer umfassenden Umgestaltung im Geschmack des Rokoko und ließ von 1756 bis 1761 ihr Appartement mit originären friderizianischen Innenraumdeko­rationen ausstatten.
Nach dem Tod der Herzogin fiel das Gebäude in einen hundertjährigen Dornröschenschlaf, der Umgestaltungen im sich wandelnden Geschmack der Epochen verhinderte, jedoch nicht den schleichenden Verfall.
Nach dem Fall der Monarchie im Jahr 1918 wurde das Schloss Eigentum des Freistaats Mecklenburg-Strelitz und der Öffentlichkeit als Museums­schloss zugänglich gemacht.
Im zweiten Weltkrieg richtete man eine Dienststelle der Luftwaffe im Gebäude ein und nach 1945 diente es als Kornspeicher.
Ein Feierabendheim öff­nete hier im Jahr 1951 und blieb bis Ende der 1970er Jahre im Schloss.
Schließlich kam das Haus im Jahr 2003 in die Obhut des Landes Mecklenburg-Vorpommern, zum Betrieb für Bau und Liegenschaften (BBL M-V). Zwei Jahre später setzte eine notwendige und grundlegende Restaurierungsphase ein, die vom Geschäftsbereich Schwerin des BBL M-V vorgenommen wurde und weitgehend abgeschlossen ist.
Das Mirower Schloss wurde als symmetrische Anlage mit drei Geschossen, ohne Keller auf der Schlossinsel errichtet. Die kompakte Gebäudeform wird durch hervortretende Seiten- und Mittelrisalite gegliedert. Die Haupt­erschließung erfolgt von der Westseite über einen mittigen Eingang. Die zentrale Treppenanlage teilt sich vom Vestibül im Erdgeschoss in zwei Treppenläufe, welche die oberen Geschosse erschließen und in der Bel­etage den großen, zweigeschossigen Festsaal einfassen. Nördlich und südlich davon schließen sich auf beiden Etagen insgesamt vier abgeschlos­sene Appartements mit wohlproportionierten wohnlichen Räumen an. Bei geöffneten Türen ist es in der gesamten Etage möglich, die Enfilade - also die Raumflucht als barockes Architekturmittel - wahrzunehmen. Dieser macht den Grundriss des Schlosses großzügig.
Neben der Gebäudestruktur war auch die hochwertige Raumausstattung größtenteils erhalten und konnte restauriert werden. Die Ausstellung zur Geschichte des Hauses und zum Herzogtum Mecklenburg-Strelitz erstreckt sich daher über die meisten Räume des Erd- und Obergeschosses.
Das Dachgeschoss bleibt Nebenräumen für Verwaltung, Archiv und Personal vorbehalten. Entsprechend wenig Platz stand in den öffentlichen Geschossen für notwendige Besucherräume und vor allem für den Einbau eines Aufzuges zur Verfügung. Dieser konnte zusammen mit den WC-Räu­men in den Kabinetten des nordwestlichen Seitenrisalites untergebracht werden.
Der Besucherempfang mit Kasse, Garderobe und Informationsbereich ist nördlich des Vestibüls und markiert damit den Beginn des Museumsrundgangs. Diese neueren Einbauten sind modern und zurückhaltend gestaltet, um den historischen Raumausstattungen den gebührenden Respekt und Vortritt zu lassen.
Die denkmalgerechte Sanierung der landeseigenen Schlösser und Gärten zählt wohl mit zu den anspruchsvollsten Bauaufgaben des BBL M-V und ganz sicher auch zu den schönsten. Alle Ansprüche an ein Schloss - Kunstwerk, Schauplatz der Geschichte und touristische Destination - verbinden sich auf exemplarische Weise in Mirow. Dabei war dieses Haus 2003 in einem wirklich erbärmlichen Zustand: Wände, Decken, Fußböden waren nach jahrelangem Leerstand auf den Rohbau zurückgeführt, die ehemalige Pracht und der Charme der kleinen Residenz waren nur anhand historischer Darstellungen und vergilbter Fotografien zu erahnen, realisierbare Ideen für eine Wiederbelebung des Schlossensembles fehlten gänzlich. Und heute: Ein Kleinod des Barock und des friderizianischen Rokoko ist wiedererstanden, ein Museum zur Geschichte des Hauses und seiner Bewohner(innen) eingerichtet und seit seiner Eröffnung 2014 von mehr als 50.000 Gästen besucht.

Planungsdaten Schloss Mirow

Planungsauftrag 2.Bauabschnitt 04/2006
Genehmigung Bauunterlage 02/2010
Gesamtkosten 7,8 Mio. Euro
Baukosten 6,4 Mio. Euro
Honorare 1,4 Mio Euro
Restaurierungsarbeiten 3,0 Mio. Euro
Ausstellung 0,3 Mio. Euro
ELER-Förderung 75% des 2. Bauabschnittes
Land Mecklenburg-Vorpommern 25% des 2. Bauabschnittes
Bauzeit 11/2007 - 06/2014
Nutzfläche 1.097 m²
Anzahl aller beteiligten Firmen, 242
Restauratoren, Ingenieure und

Standort Schloss Mirow