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Baustelle für die Zentralen Medizinischen Funktionen auf dem Campus Schillingallee der Universitätsmedizin Rostock © 2018 Betrieb für Bau und Liegenschaften Mecklenburg-Vorpommern

Herrichten der Nebengebäude Schloss Wiligrad

12.10.2017 I ELER im BBL M-V
Die Europäische Union (EU) unterstützt u. a. die Entwicklung strukturschwacher Regionen auf unserem Kontinent. Damit möchte die Gemeinschaft der 28 Mitgliedsländer unterschiedlich stark bzw. schwach entwickelte Gebiete einander angleichen. Einen Teil dieser Investitionen setzt der landeseigene Betrieb für Bau und Liegenschaften (BBL M-V) in Mecklenburg-Vorpommern um.

Hier investiert Europa in die ländlichen Gebiete

Maßnahmen zur Erhaltung, Wiederherstellung und Aufwertung kulturhistorischer Bausubstanz zum Schutz und der Erhaltung des ländlichen Kulturerbes bei Schlössern, Gutsanlagen und Parks
Schloss Wiligrad - Herrichten der Nebengebäude

Historie

Nach Plänen von Albrecht Haupt und im Auftrag des Herzogs Johann Albrecht zu Mecklenburg und seiner Frau Herzogin Elisabeth wurde das Schloss Wiligrad Ende des 19. Jahrhunderts errichtet. Es blieb bis 1945 in herzoglichem Besitz, wurde dann Landesparteischule und ab 1952 von verschiedenen Einrichtungen der Polizei genutzt. Nach der politischen Wende fiel das Schloss und der Schlosspark dem Land Mecklenburg-Vorpommern zu.

Gebäudebeschreibung

Schloss Wiligrad bildet eine Zweiflügelanlage mit einem Haupt- und Seitenflügel, die durch einen deutlich ausgebildeten Treppenturm im sogenannten Johann-Albrecht-Stil (Mecklenburger Renaissance) verbunden sind. Zu seinen Nebengebäuden, die ebenfalls stilistisch in Backstein errichtet wurden und mit Staffelgiebeln versehen und dieser Epoche zugeordnet sind, gehören:
  • der Marstall
  • die Garage (Remise)
  • der Gastpferdestall und
  • das Maschinenhaus.

Der zweiflügelige Marstall aus Backstein mit Verbindungsbau auf U-förmigem Grundriss ist ein Gebäude mit einem aus behauenen Feldsteinen errichteten Sockel und Staffelgiebeln, genutzt ursprünglich als Stallung und Reitbahn.
Das Maschinenhaus wurde als Kesselraum für die Stromerzeugung, die Krafterzeugung zum Maschinenbetrieb der Dampfwäscherei und für die Zentralbeheizung des herrschaftlichen Gebäudeflügels genutzt. Kennzeichen war der Schornsteinkopf des bis in die 1980er Jahren weithin sichtbaren ursprünglich 25 Meter hohen Schornsteins des Maschinenhauses und sind noch heute die vier großen Schaugiebel aus Backstein.
Die Garage ist ebenfalls aus Ziegelmauerwerk mit zwei Ziergiebeln an den Stirnseiten und großen Öffnungen an der Längsseite errichtet worden.
Der Gastpferdestall ist ein Fachwerkhaus mit sichtiger Holz- und Ziegelkonstruktion.

Leistungsumfang

In der ELER-Förderperiode 2007 bis 2013 wurden die oben genannten Nebengebäude durch zwei Architekturbüros restauriert, der Marstall, die Garage und der Gastpferdestall für den Nutzer Erlebnistage Schweriner Seen.
Der Marstall wurde zum Unterkunftsgebäude für die Gäste und Angestellten des Vereins umgebaut.
Die Garage ist der neue Sitz der Verwaltung der Erlebnistage und der Gastpferdestall ist das Technikgebäude. Hier wurde die Wärmepumpenanlage untergebracht, die das Ensemble mit Warmwasser und Heizwärme versorgt.
Das Maschinenhaus wurde saniert. Es wurde die gesamte Gebäudehülle in den ursprünglichen Zustand gebracht. Im Innenraum wurden lediglich Sicherungsmaßnahmen vorgenommen.

Marstall und Garage

Im Inneren wurden Wohnmöglichkeiten mit sanitären Anlagen für Mitarbeiter der Einrichtung in den Sommermonaten mit bis zu 15 Personen und Praktikanten, sowie zwei Gruppenunterkünfte für jeweils 25-30 Personen mit zwei Begleitern/Lehrer pro Gruppe errichtet. Jede Gruppenunterkunft verfügt u.a. über eine Selbstversorgerküche, Seminarraum, Schlafbereich mit bis zu 6-Bettzimmern und sanitären Anlagen. So wurden im Westflügel die Einrichtungen für die Mitarbeiter geschaffen, im Mittelbau und Ostflügel die Gruppenunterkünfte als modern gestaltete Innenräume mit neuer Erschließung durch Stahlbetontreppen, während die äußere Gebäudehülle nach historischem Vorbild restauriert wurde. Die Zugänglichkeit wurde nach historischem Vorbild rekonstruiert. Neben der Sanierung der kontaminierten Gebäudeteile, den Sicherungsmaßnahmen der Ziegelfassaden und Giebelelemente, der Restaurierung der Ziegelfassaden, wurden die Decken ertüchtigt bzw. in Teilen ersetzt, die Dächer inkl. erforderlichem Tragwerk im Großen und Ganzen erneuert und mit entsprechendem Dachaufbau und schwarzen Dachziegeln versehen. Im Innenhof des Marstalls wurde eine neue Fassade errichtet um die vormals getrennten Gebäudeflügel zu verbinden. Dem Nutzer konnten ca. 750 m² Hauptnutzfläche im Marstall und ca. 220 m² in der Garage zur Verfügung gestellt werden. Die gesamte technische Gebäudeausrüstung wurde entfernt und neu errichtet.
Im Garagengebäude wurden die Seminarräume, Büros und Lagerflächen untergebracht. Der ursprünglich eingeschossige, einsturzgefährdete Garagenbau wurde von außen abgedichtet und restauriert, Bodenplatte, Decke und Dach erneuert. Die Dachdeckung besteht aus schwarzen Betondachsteinen. Auch hier wurde die gesamte technische Gebäudeausrüstung in Gänze erneuert.

Gastpferdestall und Maschinenhaus

Der eingeschossige, auf Feldsteinmauerwerk gegründete Ziegelbau gliedert sich in zwei Teile, das Langhaus, teilweise von Sohle bis zum First offen und den teilunterkellerten zweigeschossigen Querbau. Die Decke über dem Erdgeschoss ist als preußische Kappendecke ausgeführt, die Dachkonstruktion als Pfettendach mit Betondachsteinen. Da das Gebäude fast zwei Jahrzehnte lang leer stand, sind große Schäden durch echten Hausschwamm, Pilzbefall und weitere Schäden durch Feuchtigkeit entstanden. Daher musste auch dieses Gebäude dekontaminiert werden. Ziel des Bauprojekts war es, die Gebäudehülle statisch, baukonstruktiv und klimatechnisch zu sichern aber die Fassade nicht gänzlich zu restaurieren. Die technische Gebäudeausstattung beschränkte sich die Herstellung der Hausanschlüsse für Elektro.
Der eingeschossige Gastpferdestall ist als Fachwerkbau mit Holzbalkendecke und Kehlbalkendach ausgeführt, wurde ebenfalls nur gesichert und als Technikbereich umgebaut.
So sind nach Abschluss des Bauprojekts ca. 570 m² Hauptnutzfläche im Maschinenhaus und im Gastpferdestall ca. 50 m² reine Technikfläche entstanden.

Planungsdaten Nebengebäude am Schloss Wiligrad

Gesamtbaukosten ca. 5,7 Mio. Euro
davon Förderung durch die Europäische Union (ELER) ca. 2,4 Mio. Euro
Baubeginn 06/2011
Bauende Marstall, Garage und Gastpferdestall 05/2014
Hauptnutzfläche Häuser 1-13a ca. 1.700 m²
Bauherr Land Mecklenburg-Vorpommern vertreten durch den BBL M-V Geschäftsbereich Schwerin
Planungsbüros Maschinenhaus und Gastpferdestall
schlutt und schlutt architektencooperation freie architekten
Marstall und Garage
Stand: November 2017

Schloss Wiligrad