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Baustelle für die Zentralen Medizinischen Funktionen auf dem Campus Schillingallee der Universitätsmedizin Rostock © 2018 Betrieb für Bau und Liegenschaften Mecklenburg-Vorpommern

Konservatorische und denkmalgerechte Herrichtung des Dokumentationszentrums in Schwerin

22.03.2019 I Landesbau
Das Dokumentationszentrum des Landes für die Opfer der Diktaturen in Deutschland am Obotritenring 106 in Schwerin wurde behutsam hergerichtet. Verantwortlich für das Bauprojekt ist der Geschäftsbereich Schwerin des landeseigenen Betriebs für Bau und Liegenschaften (BBL M-V).
Die konservatorische und denkmalgerechte Sanierung des Haftgebäudes des Amtsgerichts zu Schwerin am Demmlerplatz 1-2 sowie der behutsame Umbau der Nebengebäude und Innenhöfe dient der verstärkten Herausarbeitung des Dokumentationszentrums als nutz- und wahrnehmbaren Ausstellungsgegenstand und als Zeitzeuge vom Jahr 1945 bis zum gesellschaftlichen Umbruch 1989.
Das fünfgeschossige Haftgebäude einschließlich Kopfbau und Verbinder, der sogenannten Seufzer-Brücke, zum Haupthaus sowie die Anbauten der nördlich liegenden Innenhöfe sind Bestandteil der Gesamtanlage des Landgerichts Schwerin. Vollendet wurde das Justizensemble des Architekten Paul Ehmig im Jahre 1916. Die eingeschossigen Anbauten sind in einer späteren Bauphase der 1950er Jahre entstanden. Die letzte Erweiterung des Komplexes erfolgte um die Jahrtausendwende. Der Ausbau zum Justizzentrum befindet sich in intensiver Planung.
Die erhaltenen Teile der Fassade dienen als Träger für die Abbildung der Spuren baulicher Veränderungen - die architektonischen Zeitfenster. Das gilt insbesondere im sogenannten Zuführhof, den Bereich über den Insassen in das Hafthaus geführt worden sind.
Die Substanz der bauzeitlichen, historischen Konstruktion des Glasdachs des Haftgebäudes und der Konstruktion des Walmdaches des Kopfbaus sowie die Mauern des Innenhofs konnten durch die Sanierungen vollständig erhalten werden.
Die Konservierung und Festigung der DDR-zeitlichen Fassaden sowie des überkommenen Objektzustandes unter Berücksichtigung der baulichen und technischen Anforderungen an die jeweiligen Bauteile standen im Vordergrund und wurden in enger Abstimmung mit den Beteiligten (Landgericht Schwerin, Landeszentrale für politische Bildung - Dokumentationszentrum des Landes für die Opfer der Diktaturen in Deutschland) mit Blick auf die Interessen der Nutzer und seiner internen Verwaltungsabläufe umgesetzt.
Mit dem Umbau der ehemaligen Wäscherei und Tischlerei zu einem neuen Seminar- und Ausstellungsbereich wurde ein weiterer authentischer Zugang für die Bildungsarbeit des Dokumentationszentrums geschaffen. Die Maßnahmen dafür umfassten neben der Sicherung des Bestandes durch Konservierung der Wandoberflächen auch den Einbau von Leuchtelementen in den Decken des Vorraums, die eine gleichzeitige Nutzung als Ausstellungsfläche und Empfang erlauben. Die verwendeten Materialien wie Industrieestrich und Rohstahl bewahren durch ihre neutrale Wirkung die ursprüngliche Authentizität der Räume. Die Anbauten werden so in ihre neue Nutzung überführt.
Im Traufbereich wurde der Übergang vom Gebäude zu den Außenanlagen mit einer schroffen anthrazitfarbenen Oberfläche gestaltet und in Stahl gerahmt. Die Materialität der weiteren Bauteile im Innen- und Außenbereich folgt diesen Vorgaben.
Aus der denkmalpflegerischen Zielstellung ergaben sich zusätzliche Anforderungen mit der Erfassung, Systematisierung und Differenzierung der Vielzahl von Einzelbauteile und zeitbezogenen Ausstattungen vom Schalter bis zum Überkletterschutz.
Die Planung und Ausführung der technischen Anlagen wurde grundsätzlich unter energetischen Gesichtspunkten und Verwendung nachhaltiger Produkte und Konstruktionen umgesetzt. Zur Berücksichtigung der denkmalpflegerischen Vorgaben für die Sanierung des historischen Glasdaches des Haftgebäudes wurden gezielte Untersuchungen durchgeführt und ein Konzept zur thermischen Bauphysik erstellt. Auch die Nebengebäude im Innenhof, die neuen Seminarräume und Hofmauern wurden für die Dimensionierung der Bauteile der neuen thermischen Hülle bauphysikalisch betrachtet. Um eine natürliche Belüftung der Seminarräume zu erreichen, wurde ein Lüftungskonzept mit Betrachtung der Grenzwerte erarbeitet. Aufwendige Lüftungstechnik konnte so vermieden werden, wodurch der denkmalpflegerische Kontext der Nebengebäude nicht gestört wurde.
Die Freistellung der öffentlichkeitswirksamen Aussage des Dokumentationszentrums als Zeitzeugnis und öffentliche Würdigung wurde durch die verantwortungsvolle Verwendung authentischer und nachhaltiger Baumaterialien, Fertigungstechniken und Konstruktionen realisiert. Es erwies sich als zwingend erforderlich, dem Gebäude "Raum" und dem Raum um das Gebäude eine "Identität" zu geben. Eine Identität, die es aus dem Umfeld heraushebt, jedoch den Blick darauf zulässt und den Gedanken des Inneren nach außen trägt.
Diese Maßnahme des Landes M-V wurde kofinanziert aus dem Fonds zur Förderung wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Projekte in den neuen Bundesländern (einschließlich ehemaliges Ost-Berlin) nach § 5 des Mauergrundstücksgesetzes.

Standort Dokumentationszentrum Schwerin