Zum Content springen
Schlossgarten in Neustrelitz feierlich an die Öffentlichkeit übergeben © 2019 Betrieb für Bau und Liegenschaften Mecklenburg-Vorpommern

Treppenrestaurierung im Jagdschloss Granitz

01.12.2017 | Industriekletterer beherrschen den Turm
Ab Montag, 4. Dezember finden im Mittelturm des Jagdschlosses Granitz die turnusmäßigen Restaurierungsarbeiten an der gusseisernen Wendeltreppe statt. Bis voraussichtlich 15. Dezember sind Treppe und Aussichtsplattform nur am Wochenende geöffnet.

Was im Turm geschieht

Während der Arbeiten werden drei Stufen aus der Treppe ausgebaut. Bauingenieur Dr. Rudolf Käpplein hat bei seinen Untersuchungen der Gusseisentreppe die Stufen benannt, die aufgrund ihres aktuellen Schadbildes restauriert werden müssen.

Einfach und schnell geht das aber leider nicht: Die Treppe ist nach einem Baukastenprinzip zusammengesetzt. Es ist nicht möglich, einfach Stufen aus einem Treppenlauf zu entfernen, dies würde seine gesamte Konstruktion destabilisieren. Daher müssen die Läufe mit einem extra für die Granitz angefertigten Gerüstsystem gesichert werden. Erst dann können die Arbeiten beginnen.

Zunächst müssen erst einmal die rund 170 Jahre alten Schrauben gelockert werden. Die Industriekletterer Kai und Mike Simon seilen sich dazu im Turm ab und lösen die Verschraubungen auf der Unterseite der Stufen. Zwei Mitarbeiter der thüringischen Metallbaufirma Arnold helfen dabei und heben die gelöste Stufe schließlich nach oben aus dem Treppenlauf. Die komplizierte Demontage kann Stunden dauern.

Während in der Werkstatt der Firma Metalock in Hamburg später die Schäden an den ausgebauten Stufen geschweißt werden, garantieren Platzhalter aus Aluminium, dass die Treppe überhaupt bestiegen werden kann.

Im weiteren Verlauf der Arbeiten sollen dieses Mal auch drei frisch restaurierte Stufen wieder in die Treppe eingesetzt werden. Während des Aus- und Einbaus von Stufen müssen Treppe und Turm aus Sicherheitsgründen für den Besucherverkehr gesperrt werden.

Hintergrund: Schmuckstück aus Eisen

Seit 1845 schmückt die Wendeltreppe zur Aussichtsplattform des Jagdschlosses den von Karl Friedrich Schinkel entworfenen berühmten Mittelturm. Die selbsttragende Treppe, deren filigran durchbrochene Stufen sich an der Innenwand des Turms emporschwingen, stammt aus der Berliner Maschinenbauanstalt Franz Anton Egells und gilt als wichtiges Zeugnis der preußischen Eisengussindustrie.

Bei Besucherzahlen von bis zu 130.000 Gästen im Jahr ist die berühmte Treppe großen Belastungen ausgesetzt, ihre fein gearbeiteten Stufen leiden unter der dauerhaften Beanspruchung. Das Land Mecklenburg-Vorpommern beugt mit der regelmäßigen Restaurierung der Stufen Schäden vor.

Nur so kann die Zugänglichkeit der Aussichtsplattform gewährt blieben, schließlich kommen viele Gäste gerade wegen der einzigartigen Panoramasicht vom Turm auf die Granitz. Das besondere Erlebnis aus dem Genuss des reichen Blicks und dem Nervenkitzel beim Ersteigen der einzigartigen Treppe soll auch weiterhin jedem schwindelfreien Gast garantiert werden.

Verantwortlich für die regelmäßige Instandsetzung der gusseisernen Wendeltreppe ist der landeseigene Betrieb für Bau und Liegenschaften (BBL M-V). Die Projektleitung liegt im Geschäftsbereich Schwerin beim Dezernat Projektmanagement 2.

Finanzierung

In diesem Jahr ist eine Gesamtsumme von ca. 49.000 Euro für die Arbeiten an der Treppe und die Restaurierung defekter Stufen vorgesehen. Bei diesen Geldern handelt es sich um Landesmittel aus dem Bauunterhalt, der eine der wesentlichen Aufgaben des BBL M-V ist. Dazu zählen alle Maßnahmen, die ein Objekt in einem bestimmten Zustand erhalten und bewahren oder aber einen bestimmten Wert, die Funktion und das Erscheinungsbild eines Bauwerks wiederherstellen.