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Baustelle für die Zentralen Medizinischen Funktionen auf dem Campus Schillingallee der Universitätsmedizin Rostock © 2018 Betrieb für Bau und Liegenschaften Mecklenburg-Vorpommern

Neubau Center for Functional Genomics of Microbes an der Universität Greifswald

02.06.2015 | Hochschulbau
Auf Beschluss der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz des Bundes und der Länder vom 29. Juni 2012 wurde der Neubau eines Center for Functional Genomics of Microbes (CFGM) für die Universität Greifswald in ein gemeinsames Förderungsprogramm aufgenommen.
Da die Förderung der Maßnahme auf den Zeitraum von 2013 bis 2017 begrenzt ist, musste von da an alles sehr schnell gehen. Im Dezember 2012 wurde durch den Betrieb für Bau und Liegenschaften Mecklenburg-Vorpommern Geschäftsbereich Greifswald - jetzt Geschäftsbereich Hochschul- und Klinikbau - ein europaweites VOF-Verfahren durchgeführt, an dem sich 16 Arbeitsgemeinschaften (ARGE) von Architektur- und Fachplanungsbüros beteiligten. Dem schloss sich ein kleiner Wettbewerb unter fünf ausgewählten Arbeitsgemeinschaften an. Mit einem gelungenen Entwurf konnte die ARGE um das Planungsbüro Möller, Haroske und Berndt (MHB) Planungs- und Ingenieurgesellschaft mbH Rostock die Jury überzeugen.

Allgemeines

Im Jahre 1995 wurde die erste vollständige bakterielle Genomsequenz aufgeklärt. Mit der funktionellen Genomforschung ist es möglich, diesen "Bauplan des Lebens" in reale Lebensprozesse nach zu verfolgen und zu verstehen. Das CFGM verfolgt auf unterschiedliche Weise das Ziel, maßgeblich zu einem umfassenden Verständnis bakterieller Infektionskrankheiten und der Physiologie der Mikroorganismen in marinen und terrestrischen Lebensräumen zu gelangen sowie zur biotechnologischen Nutzbarmachung mikrobieller Stoffwechselleistungen beizutragen.

Standort und Städtebauliches Konzept

Das interdisziplinäre Forschungszentrum wird an exponierter Stelle auf dem Universitätscampus am Berthold-Beitz-Platz, westlich der Bibliothek errichtet und befindet sich damit in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Instituten und Kliniken der Universitätsmedizin sowie den Instituten für Biochemie, Physik, Pharmazie. Es ist eines der letzten zu bebauenden Baufelder im Komplex des städtebaulichen Masterplanes für das Entwicklungsgebiet Jahnstraße/Rathenaustraße/Fleischmannstraße/Anklamer Straße/Karl-Liebknecht-Ring der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald. Die Positionierung des Gebäudes auf dem Baufeld orientiert sich vollständig an der umgebenden Bebauung und nimmt deren Höhenstaffelung sowie im Süden die Flucht der Bibliothek auf. Auf der Gebäudesüdseite bildet das CFGM einen Winkel zum zentralen Berthold-Beitz-Platz und schafft so zusammen mit der Bibliothek eine Raumspange, durch die der Platz seine endgültige Fassung und Form erhält. Der Neubau ist so auf dem Baufeld orientiert, dass auf der westlichen Seite des Grundstücks eine freie Fläche zum Institut für Physik verbleibt. Diese Fläche stellt eine signifikante Raumreserve dar und ermöglicht bei Bedarf den Bau eines weiteren Gebäudes mit rund 3.800 m² Bruttogrundfläche (BGF).

Das Entwurfskonzept

Der dreigeschossige, nicht unterkellerte Bau ist vierseitig geschlossen und hat einen begrünten Innenhof, der sich im Erdgeschoss nach Norden öffnet. Dem zweigeschossigen, nach Süden zum Berthold-Beitz-Platz orientierten, vollverglastem Hauptzugang ist eine Freifläche vorgelagert, die den Rücksprung des Gebäudes zur Vermittlung der Fluchten der benachbarten Physik und der Bibliothek aufnimmt. Die innere, bauliche Erschließung wird über ein zentrales und über alle Etagen offenes Treppenhaus mit angegliedertem Aufzug gewährleistet. Darüber hinaus gibt es drei weitere notwendige Treppenhäuser, die im nördlichen, südlichen und östlichen Gebäudebereich angeordnet sind und im Brandfall für ausreichend sichere Fluchtwege sorgen. Dem Gebäude liegt ein Standardraster von 3,45 m zugrunde, welches auf Grund des gewählten statischen Systems der Längswandbauweise bis auf die Gesamtlänge des Gebäudes von 62 m ohne queraussteifende Wände auskommt, was für hoch flexible Laborraumanordnungen entscheidend ist. Das Gebäude schließt mit einem Flachdach und einer darauf befindlichen, als Staffelgeschoss zurückgesetzten Technikzentrale ab.

Die Funktionen

Das Forschungsgebäude ist klar strukturiert, um optimale Voraussetzungen für die Forscher und Mitarbeiter zu schaffen. Es erstreckt sich über drei Geschosse und erhält eine Technikzentrale als Dachgeschoss. Das Gebäude gliedert sich strukturell und nutzungsbedingt in drei Zonen: die Laborzone, welche 3-hüftig angelegt ist, die öffentliche, dem Erschließungsbereich angeschlossene Zone mit Konferenzbereich, Aufenthaltszonen und Laboren für Kooperationspartner sowie die Bürozone. Diese Gliederung wird über alle Etagen fortgesetzt, um eine möglichst effektive technische Erschließung zu gewährleisten. Durch das helle lichte Foyer hat man in allen Etagen Zutritt zu den Büros im Osttrakt des Gebäudes, während im Westflügel die Forschungsräume mit ihren untergeordneten Funktionsflächen zu erreichen sind. Variabel zu nutzende Seminarräume im Erdgeschoss bieten den Mitarbeitern des Hauses über den Lehrbetrieb hinaus die Möglichkeit, sich Gäste zu einem Erfahrungsaustausch einzuladen. Verfügungslabore im ersten Obergeschoss stehen Forschungspartnern zur Verfügung. Bei den Laboren handelt es sich um Labore der Kategorie S1 bis S3. Diese werden gemäß den daraus resultierenden notwendigen Standards geplant und umgesetzt. Eine Besonderheit der Laborplanung bilden die sogenannten "Denkzonen", die sich als Auswertplätze direkt an der Fassade entlang entwickeln.

Die äußere Gestaltung

Die Fassade mit den gestaltprägenden umlaufenden Fensterbändern ist als Vorhangfassade mit innenliegender Dämmung und vorgeformten Keramikplatten ausgebildet, die sich mit ihrer gelblichen Farbgebung konsequent an die bestehende Umgebungsbebauung anpassen. Vor den Fenstern werden, ebenfalls umlaufend, sogenannte "Keramik-Baguettes" als Zonierung der Fensterflächen starr montiert und sorgen für eine gewisse Auflockerung. Die zurückgesetzte Technikzentrale auf dem Dach erhält eine Verkleidung aus RAL-beschichtetem Streckmetall auf einer Rahmenkonstruktion.

Die wichtigsten Eckdaten bisher Neubauprojekt CFGM

06.2012 Aufnahme CFGM in das gemeinsame Förderprogramm von Bund und Ländern
12.2012 europaweite Auslobung der Planungsleistungen für Gebäude, Tragwerk und Haustechnik
04.2013 Abschluss VOF-Verfahren mit Auswahl des Planungsteams (ARGE)
04.2013 Planungsauftrag für die Erstellung der EW-Bau
05.2014 haushaltsrechtliche Anerkennung der EW-Bau
06.2014 Baubeginn mit Bodenverbesserung als vorgezogene Maßnahme
01.2015 Baustelleneinrichtung
02.2015 Beginn der Rohbauarbeiten
03. Juni 2015 Feierliche Grundsteinlegung
30. November 2015 Richtfest
Stand: 11 / 2015

Planungsdaten für den Neubau CFGM

Bauherr Land Mecklenburg-Vorpommern, vertreten durch den BBL M-V, Geschäftsbereich Hochschul- und Klinikbau
Förderhöchstbetrag 27,3 Mio. € für Baukosten, Großgeräte und Ersteinrichtung
genehmigte Gesamtkosten ca. 26 Mio. € (ohne Großgeräte und ohne Ersteinrichtung)
davon Baukosten ca. 21,3 Mio. €
davon Honorarkosten ca. 4,7 Mio. €
Förderzeitraum 2013 - 2017
Nutzfläche NF 1-6 3.433 m² NF 1-6 (HNF)
Bruttogeschossfläche BGF 7.345 m² BGF
Bruttorauminhalt BRI 31.211 m³ BRI
Architekt MHB Planungs- und Ingenieurgesellschaft mbH, Rostock
Tragwerksplanung Wetzel & von Seht Ingenieurbüro für Bauwesen, Hamburg
Planung Heizung, Lüftung und Sanitär Plan Tec Ingenieurgesellschaft mbH, Rostock
Planung Elektro HDH Ingenieurgesellschaft mbH, Berlin
Stand: 06 / 2015

Baustelle des Neubauprojekts CFGM