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Baustelle für die Zentralen Medizinischen Funktionen auf dem Campus Schillingallee der Universitätsmedizin Rostock © 2018 Betrieb für Bau und Liegenschaften Mecklenburg-Vorpommern

Neubau Raumschießanlage an der Fachhochschule in Güstrow

01.02.2018 | Allgemeiner Landesbau
Auf der Liegenschaft der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung, Polizei und Rechtspflege in Güstrow wurde durch den Geschäftsbereich Neubrandenburg des landeseigenen Betriebs für Bau und Liegenschaften (BBL M-V) eine Raumschießanlage (RSA) neu errichtet. Diese ist für die Ausbildung der Polizeibeamten von zentraler Bedeutung. Das Gebäude ergänzt den Campus und schließt ihn am westlichen Ende ab.
Die moderne RSA beinhaltet einen 20 m x 20 m großen Simulationsraum für 180°-Schießübungen sowie eine 25 m Bahn für klassische Schießübungen. Deutschlandweit gibt es nur zwei Schießanlagen, die über eine solche Schießanlage verfügen.
Mit der RSA verfügt die Polizei im Land Mecklenburg-Vorpommern über eine moderne Ausbildungs- und Trainingsstätte für Schießübungen, um die Einsatzkräfte der Polizei für den schnellen und richtigen Einsatz im Ernstfall vorbereiten zu können.

Architektur, Konzeption und Gestaltung

Die Fassade aus 57.000 speziell gebrannten roten und dunkelroten Backsteinen bildet eine harte kräftige Schale, welche durch die kontrastierende Materialität einer farbigen hinter lüfteten Fassade gegliedert wird. Das Material Backstein bindet den deutlich zeitgemäß gestalteten Baukörper in der denkmalgeschützten Liegenschaft angemessen ein, welche durch Bauten der 1930er Jahre geprägt ist, ohne die historische Formensprache zu kopieren. Der Ansatz des Entwurfs ging von einem streng gefassten kubischen Baukörper aus, welcher durch konsequente Einschnitte differenziert und strukturiert ist. Dabei gibt die harte Schale des schützenden Kubus ihr Inneres preis, insbesondere im Eingangsbereich. Eine kontrastierende weiche, helle Materialität zeigt sich und signalisiert eindeutig die Haupteingangssituation. Der so entstandene Innenhof bildet eine besonders hochwertige Eingangs- und Platzsituation für das Gebäude.

Der Grundriss wird bestimmt durch die zwei Hauptfunktionen: 25 m Schießbahn für klassische Schießübungen und ein 20 m x 20 m großer Simulationsraum mit 180°-Schießanlage.
 
Der Raum für die Schützenstände wird als Anströmbereich der Lüftung genutzt. Die durch die Strömungssimulation benötigten Gesamtluftmengen werden durch vier Lüftungseinheiten im Techniktrakt für die Schießbahn und Schießanlage erzeugt, 73.000 m³ Luft pro Stunde zirkulieren hier. Im Techniktrakt befinden sich sämtliche Hausanschlüsse (Elektro, Wasser, Heizung, etc.). Das Ansaugen der Frischluft erfolgt über eine Ansaugkammer im rückwärtigen Bereich der Westfassade. Hier befindet sich die Lüftungsanlage. Die Abluft der beiden Schießbahnen wird direkt aus dem Techniktrakt in den abgesenkt liegenden Dachbereich geführt.
In der 180°-Schließanlage können mit Hilfe von Beamern im Deckenbereich Echtzeitszenarien an die Wand projiziert werden, um unterschiedliche Alltagssituationen realistisch darzustellen. Im benachbarten Regieraum werden alle Vorgänge per Videokamera aufgezeichnet, das Trefferbild der abgefeuerten Schüsse wird mit einer Infrarotkamera dokumentiert. Die Regieräume sind mit einer direkten Sichtverbindung an die jeweilige Schießbahn gekoppelt. In unmittelbarer Nähe zur Schießbahn befindet sich der dazugehörige Lagerbereich, in dem Stellwände und weiteres Equipment für das taktische Schießen untergebracht werden können.

Es ergibt sich eine klare und konsequente Trennung zwischen dem Schießbereich, der Schießbahn und der Schießanlage sowie den angrenzenden Funktionsräumen über Zutrittsschleusen. Aus Kostengründen wurde auf eine schalltechnische Trennung der Schießbahnen zu den zu schützenden Bereich des Vorbereitungsraumes (Fachkabinett Einsatztraining/Schulungsraum) verzichtet. Der Zugang und die Zufahrt von außen in beide Schießbahnen ist auch mit Großtechnik für den Geschossfangwechsel möglich.

Durch den zentralen Eingang in das Gebäude ergeben sich äußerst kurze Wege in die beiden Schießanlagen und zum Vorbereitungsraum (Fachkabinett Einsatztraining/Schulungsraum). Dieser orientiert sich nach außen zum Innenhof und wird somit natürlich belichtet. Der Sanitärbereich ist dagegen im Kern des Gebäudes zentral positioniert. Die RSA ist als massive Konstruktion aus Stahlbeton errichtet.

Die Fassaden sind als hochgedämmte Klinkerfassade bzw. als vorgehängte hinterlüftete Fassade jeweils vor massiven Stahlbetonhohlwandelementen ausgeführt. Die Auswahl der Materialien des Innenraumes orientiert sich an den klaren funktionalen Vorgaben. Hier sind industrielle Materialien, wie Oberflächen aus Epoxidharz und Putz aus Kalkzement mit Anstrich ausgeführt worden.

Planungsdaten - Neubau Raumschießanlage, FHöVPuR Güstrow

Bauherr Land Mecklenburg-Vorpommern, vertreten durch den BBL M-V, Geschäftsbereich Neubrandenburg
Projektleitung BBL M-V, Geschäftsbereich Neubrandenburg
Bauleitung Bastmann + Zavracky BDA Architekten, Rostock
Planung Bastmann + Zavracky BDA Architekten, Rostock
Gesamtbaukosten 6,3 Mio. Euro
Baubeginn 03/2013
Bauende 10/2016
Nutzfläche 896 m²
Brutto-Grundfläche 1.548 m²
Bruttorauminhalt 9.924 m³
Fassadenfläche 870 m²

Lageplan Fachhochschule für öffentliche Verwaltung, Polizei und Rechtspflege in Güstrow