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Baustelle für die Zentralen Medizinischen Funktionen auf dem Campus Schillingallee der Universitätsmedizin Rostock © 2018 Betrieb für Bau und Liegenschaften Mecklenburg-Vorpommern

Neubau Unterkunftsgebäude in der Ernst-Moritz-Arndt-Kaserne in Hagenow

12.10.2017 I Bundesbau
Im Zuge eines VOF-Verfahrens mit Arbeitsprobe wurde der vorliegende Entwurf durch den Betrieb für Bau und Liegenschaften Mecklenburg-Vorpommern Geschäftsbereich Schwerin ausgewählt und die Autoren mit der weiteren Bearbeitung beauftragt.

Städtebaulicher Ansatz

Das neue Unterkunftsgebäude bildet den Abschluss eines Komplexes aus gleichmäßig ausgerichteten 5-geschossigen Gebäuderiegeln. Um die eindeutige Zugehörigkeit zu den bestehenden Kasernengebäuden zu erreichen, werden Grundfläche und Anzahl der Geschosse der abzubrechenden Kaserne für den Neubau übernommen. Der neue Haupteingang befindet sich gut sichtbar von der Haupterschließungsstraße der Liegenschaft an der südöstlichen Gebäudeecke und bildet damit den Auftakt des Neubaus. Haupt- und Nebeneingang werden nach außen deutlich durch Rücksprünge wahrgenommen.

Funktionalität

Durch die Ausführung als 5-geschossiges Gebäude ist es möglich, innen aufgelockerte Bereiche zu schaffen, die viel Tageslicht in die Flure leiten. So wird die Teeküche in allen Etagen mit einer vorgelagerten Loggia in der Gebäudemitte sehr transparent hergestellt. Auf diese Weise kann eine hohe Aufenthaltsqualität erreicht und der Flur zusätzlich belichtet werden. Die zwei Treppenhäuser sowie die Giebelfenster lassen ebenfalls viel Tageslicht in die Flure. Spätestens nach max. 20 m "Dunkelflur" hat man Sichtkontakt nach außen.
Alle Funktionsräume die nicht für "Stuben" genutzt werden, befinden sich im Erdgeschoss nahe des Haupteinganges. Eine zentrale Lüftungsanlage ist im Dachraum des Satteldaches untergebracht.
Bei der Aufteilung der Wohneinheiten wurde eine kompakte, innenseitige Anordnung der dazwischenliegenden Bäder gewählt, um für die Aufenthaltsbereiche eine größtmögliche Bewegungs- und Belichtungsfläche zu erzielen.

Fassaden

Die Fassaden sind wie bei den bestehenden Unterkunftsgebäuden in Sockelzonen und aufgehende Zonen unterteilt. Die Fassade im Erdgeschoss erhält eine Verkleidung aus verputztem Porenbeton in fast weißer Optik. Die Fenster des Erdgeschosses werden mit Brüstung ausgebildet und damit optimal nach außen abgeschirmt. Die Bereiche zwischen den Fenstern erhalten eine Verkleidung aus horizontal angeordnetem Trapezblech - dadurch wird eine Bänderung der Fassade im Sockel erreicht, worauf die oberen Geschosse sicher "stehen". Die aufgehenden Geschosse erhalten ein "Kleid" aus großformatigen, vertikal strukturierten Tonziegelplatten. Die Fenster sind im Gegensatz zum Erdgeschoss mit einer reduzierten Brüstungshöhe von 30 cm geplant. Die Fenster der vier Obergeschosse erhalten einen Rahmen aus farbigen, Holz nachempfundenen HPL-Platten (High-Pressure-Laminate). Dadurch ergibt sich eine strenge vertikale Fassadenstruktur. Das Satteldach wird mit vertikal strukturiertem Trapezblech eingedeckt. Um die Rücksprünge der Eingänge hervorzuheben, erhalten diese ebenfalls eine Verkleidung aus den gleichen farbigen HPL-Platten in Holzoptik.

Baukonstruktion

Als Gebäudegründung kommt entsprechend den statischen Erfordernissen eine Bodenplatte auf Streifenfundamenten zur Ausführung. Um eine hohe Flexibilität und dabei ein sehr wirtschaftliches System zu erreichen, ist eine Längswandbauweise mit tragenden Außen- und Flurwänden in Mauerwerk geplant. Decken werden als 2-seitig gespannte Stahlbetonflachdecken ausgebildet. Daraus ergibt sich die Möglichkeit, neben Einzelbüros auch Gruppenbüros oder Lehr- und Ausbildungsräume zu schaffen. Dies ist dann in jeder Etage möglich. Die maximale Spannweite beträgt 4,90 m von den Flur- zu den Außenwänden. Das Satteldach wird als Sparrenkonstruktion ausgeführt.

Verwendete Materialien

Als Fassadenmaterial kommen Tonziegelplatten, Trapezblech und Sichtbeton mit glatten Oberflächen zum Einsatz. Diese Bauteile sind wartungsfrei, robust und sehr langlebig. Fenster werden als Holzfenster mit Aluminium­deckschalen ausgeführt, diese sind langfristig witterungsgeschützt und erzeugen im Innenbereich ein wohnliches Ambiente.
Die Flurwände werden in robustem Sichtbeton mit farbigen Lasuroberflächen, die Fußböden der Flure in Linoleum und die der Treppenhäuser in Feinsteinzeug ausgeführt. Die Deckenunterseiten erhalten für eine bessere Akustik in den Fluren Schallschutzelemente.
Die Zimmer werden mit einem hellen Anstrich auf den geputzten Wandoberflächen und mit farbigem Linoleum als Fußboden versehen. Die Bäder werden an Wand und Boden gefliest.

Nachhaltigkeit

Neben dem Einsatz von regenerativen Energien wurde bei der Auswahl der Materialien auf Langlebigkeit und Robustheit großen Wert gelegt. Die Fassaden haben glatte Oberflächen und sind dauerhaft. Durch die vertikale Ausführung der Elemente ergibt sich ein großer "Selbstreinigungseffekt". Die Zimmer erhalten einen außen liegenden Sonnenschutz und werden freundlich und wohnlich ausgestattet, um dadurch eine größtmögliche Behaglichkeit zu erzielen.
Grundsatz der Planung ist, die verwendeten Materialien leicht recyceln zu können. Die flexible Bauweise ermöglicht es außerdem, spätere Umbauten oder Nutzungsänderungen mit nur geringen Aufwendungen umzusetzen.

Planungsdaten Unterkunftsgebäude Ernst-Moritz-Arndt-Kaserne Hagenow

Baubeginn 06/2017
geplantes Bauende 03/2019
geplante Bauübergabe 04/2019
Nutzfläche 2.500 m²
Bruttorauminhalt 14.315 m³
genehmigte Kosten Bau 7,2 Mio. Euro
genehmigte Kosten Honorare 2 Mio. Euro
Gebäude- und Brandschutzplanung MHB Planungs- & Ingenieurgesellschaft mbH, Rostock
Tragwerksplanung Ingenieurbüro Horn + Horn, Neumünster
Technische Ausrüstung B.A.C. Bau- und Anlagenconsult Dr. Barleben GmbH, Leipzig
Tiefbau/ Außenanlagen Ingenieurbüro BAUWAS, Raben Steinfeld
Oberbauleitung BBL M-V Geschäftsbereich Schwerin

Standort Ernst-Moritz-Arndt-Kaserne Hagenow