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Baustelle für die Zentralen Medizinischen Funktionen auf dem Campus Schillingallee der Universitätsmedizin Rostock © 2018 Betrieb für Bau und Liegenschaften Mecklenburg-Vorpommern

Restaurierung der Barockanlage Schloss Bothmer 1. bis 3. Realisierungsabschnitt

06.02.2018 I ELER im BBL M-V
Die Europäische Union (EU) unterstützt u. a. die Entwicklung strukturschwacher Regionen auf unserem Kontinent. Damit möchte die Gemeinschaft der 28 Mitgliedsländer unterschiedlich stark bzw. schwach entwickelte Gebiete einander angleichen. Einen Teil dieser Investitionen setzt der landeseigene Betrieb für Bau und Liegenschaften (BBL M-V) in Mecklenburg-Vorpommern um.

Hier investiert Europa in die ländlichen Gebiete

Maßnahmen zur Erhaltung, Wiederherstellung und Aufwertung kulturhistorischer Bausubstanz zum Schutz und der Erhaltung des ländlichen Kulturerbes bei Schlössern, Gutsanlagen und Parks
Schloss Bothmer - Restaurierung, 1. bis 3. Realisierungsabschnitt

Historie und Gebäudebeschreibung

Schloss Bothmer wurde 1726 bis 1732 im Auftrag von Hans Caspar von Bothmer nach Plänen des Architekten Johann Friedrich Künnecke erbaut. Sie ist die größte zusammenhängende Barockanlage in Mecklenburg-Vorpommern. Vorbilder sind augenscheinlich englische und niederländische Gutsanlagen.
Die Anlage besteht aus einem Komplex von mehreren Pavillons und Verbindungshäusern, die sich im Wechsel um einen Ehrenhof gruppieren. Zentral liegt das Haupthaus, das Corps de Logis, welches mit den Nebengebäuden verbunden ist.
Die Schlossanlage ist in Mauerwerk errichtet, die Fugen sind im Farbton der verwendeten Backsteine gehalten, allein die angedeutete Rustika aus gelben Ziegeln und vereinzelte Schmuckdetails aus Sandstein setzen sich davon ab. Die Dächer waren ursprünglich farblich unterschiedlich gedeckt, das Corps de Logis und die Kavaliershäuser mit dunkelgrau glasierten, die Verbindungsbauten mit roten Dachziegeln. Das rechteckige Haupthaus ist zweigeschossig, ebenso die beinahe quadratischen Pavillons, die ebenfalls rechteckigen Verbindungsbauten, bis auf Haus 8, eingeschossig. Genutzt wurden die Gebäude bis zur politischen Wende 1989 als Sozialistisches Feierabendheim.

1. und 3. Realisierungsabschnitt

Aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) wurden in der Förderperiode 2007 bis 2013 in der Schlossanlage Bothmer die Cornichen und Nebengebäude hergerichtet. Das bedeutete im Wesentlichen die Restaurierung der Gebäudehülle, der tragenden Wände, Treppen und Decken sowie den zusätzlichen Einbau von Treppenanlagen und Aufzügen. Parallel zu diesen Maßnahmen wurde ebenfalls die das Schloss umgebende Parkanlage nach historischem Vorbild hergerichtet, im Gebäudeinneren teilweise schon mit der Restaurierung begonnen sowie das Haupthaus als Museum eröffnet und betrieben.
Die Restauratoren und Bauforscher begleiteten die Ausführung. Dabei stießen sie bei der Untersuchung der Cornichen u. a. auf diverse historisch wertvolle und denkmalrechtlich relevante Befunde wie Natursteinfußböden, Wandfarbfassungen und Badeinbauten. Die umfangreichen Untersuchungen verzögerten die Bauphase aufgrund der notwendiger Zeiten für das Freilegen und Dokumentieren der Befunde, dem Einholen der denkmalrechtlichen Genehmigung, der Planungsänderung sowie Fortschreibung der Ausstellungsplanung.
Die  Ausführung der Bauleistungen in den Häusern 2 bis 14 begann termingerecht mit dem Aufstellen des Gerüstes. Hier gab es geringere baugeschichtliche Überraschungen. Jedoch kam es zu Vergabebeschwerden, Insolvenzen sowie schwereren Schäden an der Bausubstanz als erwartet. Aufgrund der notwendigen Vergabe von bereits ausgeschriebenen Leistungen ergaben sich zeitliche Verschiebungen im Bauablauf. Ein Beispiel für diese Verzögerungen war die Änderung der Reihenfolge der Sanierung der Turmhauben auf den Häusern 10 und 11. Durch die sehr stark geschädigten Holzkonstruktionen der Turmhauben musste technologisch bedingt auf die parallele Sanierung von Dachtragwerk und Turmhaube in den jeweiligen Häusern verzichtet werden.
Im Haus 9 kam es aufgrund von neuen Erkenntnissen der Bauforschung zu zusätzlichen Maurerarbeiten an der Westfassade, die ebenfalls die Fristen für die Ausführung verlängerten.
Eine weitere Besonderheit war die Bewilligung von zusätzlichen Fördermitteln, die den im Februar 2013 vorliegenden Planungsauftrag für den Ausbau der Häuser 2 bis 11 und 13a nach sich zog und eine Änderung des Bauablaufs erforderlich machte. So konnten beide Baumaßnahmen jedoch sinnvoll miteinander koordiniert werden.
Seit Mitte des Jahres 2014 waren infolge des Eröffnungstermins zu Pfingsten 2015 die zusätzlichen Arbeiten an den Freianlagen sowie der 5. Realisierungsabschnitt im Ostflügel zu berücksichtigen.

Folgend sind die Hauptarbeiten im Einzelnen aufgelistet, alle denkmalgerecht und zum Teil auch mit historische Techniken ausgeführt:
 
  • Abdichtung, insbesondere am Fundament,
  • Sanierung des Mauerwerks inklusive der Verfugung,
  • Fenster, Erneuerung und Aufarbeitung,
  • Tischlerarbeiten, Leibungen und Holztüren,
  • Putz- und Stuckarbeiten,
  • Natursteinarbeiten,
  • Zimmereiarbeiten,
  • Dachdecker und
  • Gebäudetechnik: hier nur Blitzschutz.

2. Realisierungsabschnitt

In der ELER-Förderperiode 2007 bis 2013 wurde das Haupthaus grundinstandgesetzt, das sogenannte Corps de Logis. Das bedeutete im Wesentlichen, die Gründung zu ertüchtigen, die Gebäudehülle zu restaurieren sowie den gesamten Innenausbau denkmalgerecht zu restaurieren.
Begonnen wurde mit der Gründung, um den schon nach 1900 aufgrund einer verfehlten Brunnenbohrung im Keller des Hauses abgesackten Nord-West-Bereich vor weiteren Schäden zu bewahren. Die historischen Schiefstellungen von Wänden und (Tür-)Öffnungen blieben bewahrt. Die ursprüngliche, barocke Gestaltung der Wände und Decken ist noch durch den reichhaltigen Stuck der Decken, die Öffnungen an den Kaminen und den Wandpaneelen belegt. Hier sind insbesondere die Vertäfelung im Festsaal und -  künstlerisch herausragend - das sogenannte  Intarsienkabinett an der Ostseite zu erwähnen, welches höchste Anforderungen an die Restaurierung stellte. Die Marmorierung der Räume im Westflügel ist ebenfalls nach historischem Vorbild ausgeführt worden. Die Aufrüstung der historischen Türen hinsichtlich der Erfordernisse des Brandschutzes verlangte einen behutsamen Umgang mit der Substanz und ein entsprechendes Justieren des Konzeptes für den Brandschutz. Der Anbau eines Aufzuges berücksichtigt die Belange eingeschränkt beweglicher Besucher des heute als Museum eingerichteten Wohnhauses des Grafen.
Die Hauptarbeiten im Einzelnen, alle in denkmalgerechter Ausführung, d. h. zum Teil auch mit historischen Techniken:
  • Arbeiten an der Gründung mittels Hochdruckinjektionsverfahren (HDI), inklusive Abdichtungsarbeiten,
  • Sanierung des Mauerwerks inklusive Verfugung,
  • Fenster, Erneuerung und Aufarbeitung,
  • Tischlerarbeiten, Wandpaneele, Leibungen und Holztüren,
  • Putz-, Stuckarbeiten und Malerarbeiten,
  • Fliesenleger,
  • Arbeiten am Parkett,
  • Naturstein,
  • Zimmerei, Dachdecker und
  • Gebäudetechnik, u. a. zum Monitoring der Feuchtigkeit und Einbau von Sicherheitstechnik in historische Bauteile zur Umsetzung des Sicherheitskonzepts.

Schloss Bothmer