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Baustelle für die Zentralen Medizinischen Funktionen auf dem Campus Schillingallee der Universitätsmedizin Rostock © 2018 Betrieb für Bau und Liegenschaften Mecklenburg-Vorpommern

Sanierung Amtsgericht Neubrandenburg, Zweigstelle Demmin - Nachnutzung Haus 1

03.12.2018 | Allgemeiner Landesbau
Das Gebäudeensemble Amtsgericht Neubrandenburg Zweigstelle Demmin besteht aus drei Gebäudeteilen und liegt innerhalb des Sanierungsgebietes Historischer Stadtkern/ Anklamer Vorstadt. Das Haus 1 direkt an der Clara-Zetkin-Straße wird saniert und für die Nutzung der Zweigstelle hergerichtet. Die Arbeiten haben im November 2018 begonnen.
Die beiden historischen Gebäude Haus 1 und Haus 3 sind durch einen Neubau miteinander verbunden, der 2011 errichtetet worden ist. Aufgrund der Justizstrukturreform 2015 und der damit verbundenen Verlagerung von Funktionen, konnte die 924 m² umfassende Nutzfläche im Haus 1 nicht mehr so genutzt werden, wie es ursprünglich geplant war.
Die vorbereitete Grundinstandsetzung von Haus 1 musste zunächst pausieren. Der Geschäftsbereich Neubrandenburg des landeseigenen Betriebs für Bau und Liegenschaften Mecklenburg-Vorpommern (BBL M-V) untersuchte, inwieweit sich andere Dienststellen des Landes hier unterbringen lassen.
Nach vielfältigen Überlegungen und Abstimmungen unter der Berücksichtigung der Vorgaben aller Beteiligter konnte die anspruchsvolle Planung für die Außenstelle des Amtsgerichts abgeschlossen werden, die Leistungen ausgeschrieben und vergeben sowie mit dem Bau begonnen werden. Verantwortlich für das 2,8 Millionen Euro umfassende Bauprojekt ist der BBL M-V.

Das Bauprojekt

Das Haus 1 ist ein zweigeschossiges, vollständig unterkellertes Gebäude mit ausgebautem Dachgeschoss und Walmdach in traditioneller Bauweise. Nicht erforderliche Einbauten werden im Rahmen des Bauprojekts zurückgebaut und die historische Raumstruktur wird wiederhergestellt. Fußböden, Innenputz und Innentüren werden erneuert. Der Mosaikfußboden im Eingangsbereich bleibt erhalten.
Im Kellergeschoss wird der Gewahrsam eingerichtet.
Im Erdgeschoss wird der Zuführungsbereich des Gewahrsams untergebracht und ein abgeschlossener Sicherheitsbereich geschaffen. Darüber hinaus werden Räume zur Lagerung von Akten hergerichtet.  Um beide Nutzungen in Einklang zu bringen, wird das Haupttreppenhaus zum Sicherheitsbereich baulich abgetrennt.
Im Obergeschoss werden ein Sitzungssaal, weitere Anwaltszimmer und Wartebereiche hergerichtet.
Das Dach wird erneuert und erhält wieder eine Biber-Kronendeckung. Zukünftig bleibt das Dachgeschoss ohne Nutzung. Die vorhandenen Dachgauben werden zurückgebaut. Über eine neue Dachgaube wird eine Verbindung zu Haus 3 geschaffen.
Alle Fenster und Türen im Gebäude werden entsprechend der brandschutz- und sicherheitstechnischen sowie denkmalrechtlichen Anforderungen erneuert. Die gesamte Fassade wird gereinigt, schadhafte Klinker werden gewechselt.
Auch die Abführung des Regenwassers wird erneuert. Die Pflasterarbeiten werden in Ergänzung des Bestandes ausgeführt. Die Einfriedung auf der Nordseite des Gebäudeensembles wird in Abstimmung mit dem Denkmalschutz nach historischem Vorbild als Metallzaun auf einem Mauerwerkssockel ausgebildet.
Im Bereich der Zuführung wird ein neuer Zufahrtsbereich geschaffen, der von einer Sichtschutzmauer und einer Toranlage abgegrenzt wird. Die Zufahrt zum Amtsgericht wird über die östliche Seite erfolgen.
Die bislang eingeschränkte Nutzungsfähigkeit der Zweigstelle Demmin wird durch die Erweiterung im Haus 1 deutlich verbessert, das Erscheinungsbild des markanten Gebäudes stark aufgewertet.

Historie - Geschichtliche Bedeutung

Der Gerichtsstandort Demmin bestand seit dem 19. Jahrhundert aus zwei Backsteingebäuden. Haus 2 - das historische Gefängnisgebäude im rückwärtigen Bereich - wurde bereits 1859 mit zwei Gefängnishöfen errichtet und gehört zu den ältesten Haftanstalten des 19. Jahrhunderts. Die zwei Gefängnishöfe dienten der Trennung von Männern und Frauen.
Haus 1 - das der Straße zugewandte historische Gerichtsgebäude - wurde 35 Jahre später im Jahr 1894 errichtet.  Die direkte Verbindung von einem Gerichts- und Gefängnisgebäude war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine sehr verbreitete und typische Bauweise. Die meisten Gerichtskomplexe wurden erst nach 1870 errichtet, so dass am Standort Demmin davon ausgegangen werden kann, dass das Gefängnisgebäude eines der ersten seiner Art in Deutschland war.
Das Gebäude brannte zum Ende des 2. Weltkrieges aus und wurde nach dem Krieg in schlichter Form wiederaufgebaut. Die ursprünglichen Verzierungen des Schmuckzwerchgiebels wurden nicht wiederhergestellt. Beide Gebäude stehen heute unter Denkmalschutz.