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Baustelle für die Zentralen Medizinischen Funktionen auf dem Campus Schillingallee der Universitätsmedizin Rostock © 2018 Betrieb für Bau und Liegenschaften Mecklenburg-Vorpommern

Universitätsmedizin Greifswald

01.07.2011 | Klinikbau
Die Universitätsmedizin Greifswald befindet sich gegenwärtig in ihrer bisher größten Ausbauphase. Verantwortlich für die Bauprojekte
So wird sich der Haupteingang zum Klinikum nach Fertigstellung des Diagnostikzentrums zwischen 1. und 2. Bauabschnitt präsentieren. © HWP Planungsgesellschaft mbH Stuttgart Bild größer
Neubau Diagnostikzentrum DZ 7, Universitätsmedizin Greifswald So wird sich der Haupteingang zum Klinikum nach Fertigstellung des Diagnostikzentrums zwischen 1. und 2. Bauabschnitt präsentieren. © HWP Planungsgesellschaft mbH Stuttgart
Auf dem Gelände des Entwicklungsgebietes Jahnstraße / Rathenaustraße / Fleischmannstraße / Anklamer Straße / Karl-Liebknecht-Ring werden die Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät, die Medizinische Fakultät mit dem neuen Klinikum als größten Bestandteil sowie von beiden Fakultäten genutzte zentrale Einrichtungen errichtet. Nach Fertigstellung werden hier alle ursprünglich an unterschiedlichen Standorten verteilten medizinischen Einrichtungen der Greifswalder Universität konzentriert sein und zusammen mit den Einrichtungen der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät hochmoderne, innovative und hervorragende Bedingungen für Lehre und Forschung, für Mediziner, Patienten und Studenten ermöglichen.

Historische Entwicklung

Die historischen Kliniken der Greifswalder Universität entstanden größtenteils Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts an drei Hauptstandorten. Der erste Hauptstandort befindet bzw. befand sich im Bereich Innenstadt an der Friedrich-Loeffler-Straße (Chirurgie, Innere Medizin), Wollweberstraße (Gynäkologie) und Rubenowstraße (Augenklinik). Der zweite Hauptstandort befand sich in der Greifswalder Fetten-Vorstadt im Bereich Soldmannstraße (Kinderklinik) und Ellernholzstraße (Neurologie). Ein dritter Hauptstandort besteht in unmittelbarer Nähe des neuen Campus im Bereich Rudolf-Petershagen-Allee (HNO-Klinik) und Fleischmannstraße (Radiologie, Dermatologie, Urologie). Dieser dritte Hauptstandort und historische Bebauungspläne belegen, dass es bereits um 1925 Überlegungen und Vorstellungen gab, nördlich der Anklamer Straße einen neuen Universitätscampus mit Mathematisch-Naturwissenschaftlicher Fakultät und neuem Klinikum in unmittelbarer Nachbarschaft entstehen zu lassen. Mit dem Bau des Diagnostikzentrums DZ 8 im Jahre 1980 und dem Bettenhaus 1989/1990 wurde diese Idee zu DDR-Zeiten, wenn auch nur in geringem Umfang, weiter voran getrieben.

Wettbewerb 1995/1996

Mit dem 1995/1996 durchgeführten europaweiten Wettbewerb mit Realisierungsteil wurde die Idee von 1925 zum Universitätscampus mit Medizinischer und Mathematisch-Naturwissenschaftlicher Fakultät wieder aufgegriffen und die Voraussetzungen zur Umsetzung geschaffen. Aus 127 Bewerbern wurden 8 Wettbewerbsteilnehmer ausgewählt. Als Sieger ging das Büro Dall & Lindhardtsen aus Dänemark hervor. Auf Grundlage des Entwurfes des Wettbewerbssiegers und des daraufhin aufgestellten Städtebaulichen Rahmenplanes nimmt hier seit Mai 1999 das modernste Klinikum Deutschlands nach und nach Gestalt an.

Städtebauliches Konzept

Das Klinikum entsteht östlich der neuen Promenade, zwischen Rudolf-Petershagen-Allee und Anklamer Straße. Die Bebauungsstruktur entspricht im Großen und Ganzen der des Wettbewerbes: 4-geschossige Bettenhäuser bilden die Fassade zur Promenade, dahinter liegen ein- bis dreigeschossige Untersuchungs- und Behandlungsgebäude, die durch ein ausgeklügeltes und weitläufiges System verglaster Bogengänge miteinander verbunden sind. Der Haupteingang des Klinikums befindet sich an der Westseite des ehemals vorhandenen DZ 8, zwischen 1. und 2. Bauabschnitt. Durch seine halbrunde Form und die Aufweitung der Promenade in diesem Bereich erfährt er seine besondere Betonung. Das DZ 8 sollte ursprünglich saniert und modernisiert werden und den 1. und 2. Bauabschnitt verbinden. Nun wird es durch einen Neubau an gleicher Stelle ersetzt.

Gestaltungskonzept

Das Erscheinungsbild aller zum Klinikum gehörenden Gebäude, wie Bettentürme und Untersuchungs- und Behandlungsbereiche, orientiert sich hinsichtlich Materialien, Farb- und Formgebung konsequent an den Vorgaben des Städtebaulichen Rahmenplanes: natürliche Materialien in Form von gelben Klinkerfassaden, abgesetzt mit roten Ziegelschichten dominieren das Bild und vermitteln einen harmonischen Gesamteindruck. Glas, Aluminium und Stahl sind als komplettierende Materialien zur Markierung besonderer Bereiche und Gebäudegrenzen zu finden. Erker und Bogengänge variieren die Fassadengestaltung. Alle Fassadenteile behalten die ursprünglichen Farbtöne des Materials und es herrscht ein einheitlicher und natur belassener Gesamteindruck. Die verschiedenen funktionellen Inhalte werden durch die individuellen Strukturen insbesondere der Bettentürme hervorgehoben, die sich als kubische Baukörper mit annähernd quadratischer Grundfläche eindeutig von den dahinterliegenden flächigen Bereichen absetzen. Ein besonderes Gestaltungsmerkmal und Entwurfsprinzip ist die Anlage individuell gestalteter Innenhöfe bzw. Atrien. Im 1. Bauabschnitt beschränkte sich dies noch auf die Grünplanung der Freianlagen. Im 2. Bauabschnitt stehen die Innenhöfe immer unter der Visualisierung eines übergeordneten Mottos, z.B. in der neuen Kinderklinik unter dem Motto "Frau Holle" oder "Bleistifte und Buntstifte", als kindgerechte Motive. Die Höfe sind von den Gängen und zum Teil von den Patientenzimmern einsehbar und thematisieren ihr Motto auf abstrahierte, Phantasie anregende und plakative Weise.

Der erste Bauabschnitt (1. BA)

Die Planungen für den 1. BA begannen unmittelbar im Anschluss an den Wettbewerb, im Januar 1997. Von Mai 1999 bis Dezember 2003 wurde er nördlich des inzwischen abgebrochenen Diagnostikzentrums errichtet und beinhaltet folgende Bauteile bzw. Bereiche:
zwei viergeschossige Bettentürme, in denen die Augenklinik und die Klinik für Neurologie und Neurochirurgie untergebracht sind, sowie die Notfallmedizin und die Radiologie. Im Bereich des Haupteinganges befinden sich ein Hörsaal mit 160 Plätzen sowie ein Bistrobereich für Besucher, Patienten und Personal. Außerdem sind hier Dienstleistungen, wie kleinere Läden und ein Friseur eingeordnet.

Die wichtigsten Eckdaten bisher - Klinikum, 1. Bauabschnitt

Kapazität 214 Betten, 5 OP-Säle, 1 Hörsaal
Baukosten 64 Mio. €
Baubeginn Mai 1999
Grundsteinlegung 03.05.2000
Richtfest 01.11.2000
Bauende / Übergabe Dezember 2003 / April 2004
Gesamtnutzfläche 10.800 m² NF
Architekt Dall & Lindhardtsen, Dänemark
Tragwerksplanung AIU Stralsund
Gebäude-/Labortechnik PGT Planungsgemeinschaft Technik GTB, Berlin

Der zweite Bauabschnitt (2. BA)

Der 2. BA des Klinikums entsteht gegenwärtig südlich des ursprünglich vorhandenen DZ 8 und damit südlich des 1. BA. Hier wurden bzw. werden in drei viergeschossigen Bettenhäusern folgende Bereiche untergebracht: Chirurgie, Intensivmedizin, Anästhesie, Orthopädie, HNO, Urologie, Dermatologie, Kinderklinik und Frauenklinik. Die Sanierung des Diagnostikzentrum DZ 8, jetzt Ersatzneubau DZ 7, gehört mit zum 2. BA, bildet aber eine eigenständige Baumaßnahme.

Die wichtigsten Eckdaten bisher - Klinikum 2. Bauabschnitt

Kapazität 373 Betten, 9 OP-Säle, 1 Hörsaal
Baukosten 137 Mio. €
Baubeginn Februar 2004
Richtfest 03.11.2005
Übergabe 1. Bereich 08.08.2007 (Blutbank / Zentrallabor), 08.10.2007 (Anbau Bettenhaus - AWT-Aufzüge)
Übergabe 2. Bereich 01.07.2009 (Bettenhäuser, Bauteil Süd, Magistrale)
Übergabe 3. Bereich 04.01.2010 (vorgezogene Bereiche Bauteil Nord - Kinderklinik)
Übergabe 4. Bereich voraussichtlich 13.10.2010 (Hörsaal)
geplante Fertigstellung / Technische Übergabe 01.07.2011
Gesamtnutzfläche 22.000 m² NF
Architekt / Bauüberwachung HWP Stuttgart
Tragwerksplanung AIU Stralsund

Kapazitätserweiterungen

Um den ständig steigenden Bedarf an Bettenkapazitäten abdecken zu können, waren bzw. sind bereits Erweiterungsmaßnahmen erforderlich. Von Oktober 2008 bis März 2009, in nur 6-monatiger Bauzeit entstand nördlich des 1. BA ein eingeschossiges Fertiggebäude in Modulbauweise. Hier wurden in 23 Modulen zwei Bettenstationen mit insgesamt 48 Betten für die Unfallchirurgie untergebracht. Eine zweite Maßnahme zur Erhöhung der Kapazität war der Bau eines zusätzlichen, 6. Bettenturmes in unmittelbarem Anschluss südlich des 2. BA. Auch hier handelt es sich um einen Montagebau aus Modulen, der mit seiner Fertigstellung im April 2011 eine Kapazitätserweiterung um 115 Betten ermöglichte. Die Farb- und Formgebung beider Erweiterungsmaßnahmen orientiert sich ausschließlich an den Gebäuden des neuen Klinikums. Mit den gelben Klinkerfassaden sind die Gebäude nach Fertigstellung als Modulbaukörper nicht mehr zu erkennen.

Komplettierende Einrichtungen

Zusätzlich zu den eigentlichen Klinikgebäuden des 1. und 2. Bauabschnittes entstanden auf dem Gelände des Universitätsklinikums seit 1995 mehrere Einrichtungen und Funktionsgebäude, die für ein modernes und funktionierendes Klinikum unerlässlich sind und dieses komplettieren:
  • vor 1995 Neubau Dialyse
  • 1995 - 1996 Neubau Gebäude für Zentralsterilisation
  • 2001 - 2002 Neubau Luftrettungsstation
  • 2002 - 2004 Neubau Ver- und Entsorgungszentrum
  • 2005 - 2006 Neubau Zentrum für Zahnmedizin-, Mund- und Kieferheilkunde
  • 2006 - 2007 Neubau eines Laborgebäudes (Interimslösung für Laborflächen des DZ 8)
  • 2010 - 2011 Neubau Forschungsflächen für Forschungscluster III
  • 2010 - 2012 Ersatzneubau DZ 7